Neues Jahr, neuer Präsident
January 1st, 2009 von
maphry
Wie es der halbjähriger Turnus vorschreibt, wechselt nun zum Jahreswechsel der Vorsitz der Europäischen Union. Diesesmal ist die Tschechische Republick dran, welche nun von Frankreich diesen Präsidentenposten des Europäischen Rates übernimmt.
Zu Beginn der Ratspräsidentschaft von Frankreich, und somit dessen Präsidenten Nicolas Sarkozy, schrieb ich, das man ihn daran messen müsste, ob es ihm gelingt einen Weg aus der Verfassungskrise zu finden, welche die EU derzeit lähmt. Und in der Tat gelang es im Dezember dann mit dem irischen Premier Brian Cowen einen Kompromiss auszuhandeln, welcher eine erneute Abstimmung über den Lissabon-Vertrag in diesem Jahr ermöglichen wird. Dieser Kompromiss garantiert, das jeder Staat seinen Kommissar behält und Sachen wie Neutralität, Steuerpolitik und Ethikfragen nicht angerührt werden. Dabei ist vor allem das letzte für diese Wertegemeinschaft ausserordentlich kritisch, denn nachdem schon für Grossbritannien die Sozialcharta nicht verbindlich ist, wird es immer schwerer zu begründen, warum hier wirklich noch alle die gleichen Werte vertreten. Aber dies alles wird dank der dann nun anstehenden erneuten Volksabstimmung auch hier wieder öfters mal zum Thema gemacht werden. Ansonsten hatte Sarkozy Glück mit der Finanzkrise. Sie half ihm Angela Merkel in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen, woran diese allerdings selbst schuld ist, da sie zu Lange keine klare Linie verfolgte, und wenn doch, diese mangelhaft koordiniert war. Das grosse Thema der Klimapolitik konnte man ebenfalls getrost im Trubel der fallenden Börsen versenken, wobei ebenfalls Merkel einen grossen Anteil trägt. Somit hat sich der französische Präsident ganz gut geschlagen, und wenn auch nicht die EU wirklich vorangebracht, so sie doch ganz ordentlich verwaltet. Eigentlich zu wenig für einen grossen EU-Staat, aber in diesen Zeiten akzeptabel.
Der neue, der Tschechische Präsident Václav Klaus gilt hingegen als ausgewiesener EU-Kritiker, von dem ein voranbringen nicht wirklich zu erwarten, aber eher das Gegenteil zu befürchten ist. Neben Irland ist er Vertreter des Einzigen Staates, welche den Ratifikationsprozess noch nicht abgeschlossen hat (Polen und Deutschland auch nicht, aber dort können nur noch Formale bzw. Verfassungskritische Gründe die Ratifikation stoppen). Dieses soll innerhalb der EU-Ratspräsidentschaft entstehen, und könnte bei einem nicht ganz ausgeschlossenen Scheitern, die EU, wie wir sie heute kennen, auf lange Sicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen, denn der Imageschaden wäre kaum mehr Wett zu machen. Aber in diesem Fall ist keine wirkliche Entscheidung in diesem halben Jahr zu erwarten, denn das Parlament sollte schon allein im Interesse der Republick seine Zustimmung erteilen, und Klaus will sowieso erst nach dem Irland-Referendum unterschrieben. Das andere Thema, das diese Präsidentschaft prägen werden, dreht sich hauptsächlich um die Finanzkrise. Denn ob er eine ebenso gute Figur machen wird wie Sarkozy ist aufgrund der Bedeutungslosigkeit von Tschechien sehr fraglich. Auch wird er nicht sonderlich geschätzt von seinen Kollegen, was ihm zusätzliche Probleme bereiten dürfte dort gute Ansätze zu finden. Da auch die Aussenbeziehungen, vor allem zu Russland und den USA sehr in den Vordergrund geschoben werden wird, bleibt der Präsidentschaft viel Spielraum für Akzentsetzung und die Möglichkeit sich als Vermittler zu etablieren. Hinzu werden wie immer die zahlreichen Überraschungen kommen, welche dieses halbe Jahr so unübersichtlich machen werden.
Alles in allem ist dieses nun eine Übergangspräsidentschaft, in der viel in der Waage gehalten werden muss, und das verwalten das Gestalten weit mehr dominieren wird. Wirklich neue Impulse wird dann wohl eher die schwedische Präsidentschaft im nächsten Halbjahr setzen können, gerade weil dort dann die kritische Entscheidungsphase um den Vertrag von Lissabon seinen erneuten Höhepunkt findet.
Geschrieben in Political Theories | Tags: EU, Finanzkrise, Frankreich, Irland, Lissabon, Nicolas Sarkozy, Ratspräsidentschaft, Schweden, Tschechien, Václav Klaus
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