Wie lange noch Herr Mehdorn?
January 29th, 2009 von
maphry
Die Deutsche Bahn ist ja immer wieder gerne ein Thema über das man sich gerne aufregt, aber in der letzten Woche hat dieses Unternehmen, welches im Begriff ist privatisiert zu werden einmal mehr den Vogel abgeschossen. Man habe ein paar wenige Mitarbeiter kontrolliert, ob sie sich der Korruption schuldig gemacht haben. So zumindest hiess es noch vor ein paar Tagen. Was unter wenigen zu verstehen ist, wird nun deutlich, wo eine Zahl von über 170000 herauskommt. Sicher, die DB hat nicht gerade wenige Mitarbeiter, aber auch diese Zahl ist gigantisch. Es erinnert an die Rasterfahndung die vom Bundesverfassungsgericht in den 80er Jahren arg eingeschränkt wurde, und ist bei all den Beschwichtigungsversuchen von der Presseabteilung ein Datenschutzskandal sonder gleichen.
Wer ohne eine rechtliche Begründung persönliche Daten seiner Mitarbeiter an eine externe Firma weitergibt, der macht sich schwerster vergehen schuldig. Das alleine sollte schon dazu reichen, diejenigen, die das beschlossen haben fpür Jahre hinter Gittern zu bringen. Nur leider ist das Gesetz nicht immer fair, was an der mangelnden Durchsetzungskraft von Datenschutzfragen in Unternehmen der letzten Jahrzehnte liegt. Denn für das was nun vorliegt gibt es leider nur eine recht geringe Geldstrafe, die die Entscheidungsträger auch nicht persönlich zahlen müssen, sondern die aus der Firmenkasse beglichen werden.
Da fragt man sich nun, wie es immer wieder zu solchen Vorfällen kommen kann, sei es Lidl oder Telekom, Siemens oder Bahn. Offenbar gelten Mitarbeiter als Eigentum und Kunden als auszuschlachtende Geldlieferanten, wo es darum geht möglichst viel herauszuholen, und die Grundrechte mit Füssen getreten werden. Unter der Scheinheiligkeit von freiwilligen Selbstverpflichtungen wird der Datenschutz behandelt, als sei er ein lästiges Übel, und den Status eines Gesetztes nicht wert. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall, es ist ein elementares Grundrecht einer demokratischen Gesellschaft, und es muss schon schwerwiegende Gründe mit Verdachtsmomenten im Einzelfall geben, damit dieses im notwendigen Rahmen und unter strengen Kontrollen leicht aufgeweicht werden darf.
Sicher, Korruption ist ein schweres vergehen, denn es kostet Geld, schadet einer ganzen Gesellschaft und letztendlich kostet es auch leben. Dagegen muss mit starker Hand vorgegangen werden, niemand mag das bezweifeln. Dennoch leben wir (zumindest hört man das manchmal gerüchteweise) in einem Rechtsstaat, und was der Staat an zwielichtigen Methoden nicht einsetzen darf, sollte ein Unternehmen schon lange nicht dürfen. Die Privatisierung der Sicherheit ist ein ernsthaftes Problem der heutigen Zeit, denn der Datenschutz bleibt dort als erstes auf der Strecke, und die Grundfeste der gesellschaftlichen Grundordnung, ja, der demokratischen, werden dabei erschüttert. Eine gute Innenrevision und klare Strategien und Kriterien bei der Auftragsvergabe sind gute Mittel um Korruption zu bekämpfen, genauso wie durch staatliche Stellen in begründeten Einzelfällen genauere Untersuchungen. Das so etwas offenbar bei der Deutschen Bahn und vielen anderen Unternehmen nicht existiert stimmt traurig und nachdenklich, und lässt fragen, wie man das denn in Zukunft verhindern kann.
Nur mit harten Gesetzen. In solch fällen müssen Vorstände, wenn sie so etwas anordnen persönlich haftbar sein. Des weiteren müssen Unternehmen, die sich datenschutzrechtlich grob fahrlässig verhalten, oder mit fällen von Korruption betroffen sind, von Ausschreibungen bei Staatlichen Aufträgen ausgeschlossen werden. Es muss zum Beispiel ein Kriterium sein, das wenn eine Nahverkehrsstrecke neu Ausgeschrieben wird, wie sich die Unternehmen bei dem Datenschutz der Kunden und Mitarbeiter verhalten. Sollte es dort nur die geringsten Zweifel geben, sollten die Bewerber sofort heruntergestuft und somit nicht weiter berücksichtigt werden. Das alles mag hart klingen, ist aber die Einzige Möglichkeit ernsthaft die nötige Sensibilität für dieses Thema bei Unternehmen zu erzeugen.
In diesem Falle besonders Auffällig ist es, das es wieder einmal die Deustche Bahn getroffen hat und man ernsthaft die Frage stellen sollte, wie lange dieser Vorstand noch akzeptabel ist für ein Unternehmen, was derzeit immerhin noch dem Staat mehrheitlich gehört. Es müssen aus den Vorfällen der letzten Jahre endlich Konsequenzen gezogen werden, was bedeutet, das Herr Medorn seines Postens unverzüglich entzogen gehört, da er der Verantwortung gegenüber seinen Kunden, Mitarbeitern und Anteilseignern offenbar nicht gerecht werden mag oder kann. Man mag sich nun in juristischen Feinheiten verstricken, ob es rechtlich noch ein Schlupfloch gibt, was in diesem speziellen Fall Straffreiheit garantiert, aber wenn man ehrlich sind, sind Gesetze nur die Richtlinien, die die äussersten Grenzen festlegen. Das nicht alles akzeptabel ist, was selbst inenrhalb dieser Grenzen stattfindet, sollte ebenso klar sein. Damit sollte es schnell gehen und dem unheimlichen Treiben bei einem der grössten Arbeitgeber dieses Landes umgehend ein Ende bereitet werden, und wenn es die Privatisierung kostet, es wird den Staat vor zukünftigen Schulden und Problemen seienr Infrastruktur bewahren.
Hintergrundartikel
- Was darf der Arbeitgeber? (Frankfurter Rundschau)
- Deutsche Bahn überprüfte heimlich 173.000 Mitarbeiter (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
- 173.000 Mitarbeiter überprüft (Süddeutsche Zeitung)
- Mitarbeiter unter Generalverdacht (Stern)
Geschrieben in Political Theories | Tags: Datenschutz, Deutsche Bahn, freiwillige Selbstverpflichtung, Hartmut Mehdorn, informelle Selbstbestimmung, Korruption, Menschenrechte
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