Obama’s DNC-Rede: The American promise
August 29th, 2008 von
maphry
Diese Nacht war es also soweit, Barack Obama hielt die entscheidenste Rede seines Lebens, vor 70000 mehr oder weniger Anhängern im Denver Footballstadion. In dieser Rede zur Akzeptanz seiner gestrigen Nominierung, nannte er erstmals wirklich konkrete Massnahmen um seinen Wandel mit Inhalt zu füllen und Griff John McCain, den Kandidaten der Republikaner scharf an.
Die Rede begann er wie erwartet mit der Akzeptierung der Nominierung, was er mit den Worten
With profound gratitude and great humility, I accept your nomination for the presidency of the United States.
hinter sich brachte. Anschliessend ging es weiter in den Formalien, indem er seinen wichtigsten Wegbegleitern dankte, aber auch Hillary und Bill Clinton, die in den letzten zwei Nächten einen guten Job machten um ihn anzupreisen.
Mit dem suchen des Anschlusses an seine Rede vor vier Jahren, in der er sich in der Keynote des DNC ausführlich vorgestellt hatte, und die ihn auf einen Schlag berühmt machte, verwies er noch einmal auf seine eigene Geschichte, und das diese nur in Amerika möglich sei, und beschrieb seine Befürchtung, das dieses in Gefahr sei, aufgrund der mislungenen Politik der derzeitigen Regierung.
Tonight, more Americans are out of work and more are working harder for less. More of you have lost your homes and even more are watching your home values plummet. More of you have cars you can’t afford to drive, credit card bills you can’t afford to pay, and tuition that’s beyond your reach.
These challenges are not all of government’s making. But the failure to respond is a direct result of a broken politics in Washington and the failed policies of George W. Bush.
Auch stellte er dann mit kurzen Beispielen fest, dass die USA ein besseres Land seien, als es sich unter der Bush Administration dargestellt hat, was er einleitete mit:
America, we are better than these last eight years. We are a better country than this.
und enden liess mit einem wohl von ihm gewünschten kurzen Satz, welcher in den Nachrichtensendungen landen soll:
On November 4th, we must stand up and say: “Eight is enough.”
Dabei widmete er sich McCain, welcher doch nur die Amtszeit von George Bush fortsetzen würde, ein Thema, welches auch schon seine Vorredner auf dieser Convention immer wieder betonten. Er kündigte an, dass auf der republikanischen Convention die Unterschiede wohl aufgezählt werden, zwischen McCain und Bush, stellte aber fest, dass das Abstimmungsverhalten etwas anderes zeige, und das die nur 10% Abweichungen in den Abstimmungen zu Bush zu wenig seien für ihn, was ihm grossen Beifall einbrachte.
But the record’s clear: John McCain has voted with George Bush ninety percent of the time. Senator McCain likes to talk about judgment, but really, what does it say about your judgment when you think George Bush has been right more than ninety percent of the time? I don’t know about you, but I’m not ready to take a ten percent chance on change.
So setzte er die Angriffe auf seinen Rivalen fort. Er stellte klar, dass er von den Plänen von McCain zu den Themen Wirtschaft, Gesundheitssystem und Bildung nichts hält, dass sie abgehoben und fern jeglicher Realität seien und den normalen Menschen nicht erreichen würden, und stellte seine Vermutung auf, warum das denn so sei:
It’s not because John McCain doesn’t care. It’s because John McCain doesn’t get it.
Dabei stellte er ihn in eine Reihe mit der gängigen Philosophie der Republikaner die grossen zu bevorzugen und die kleinen zu vernachlässigen, in diesem Falle mit viel bissiger Rhetorik welche hervorragend ankam.
For over two decades, he’s subscribed to that old, discredited Republican philosophy – give more and more to those with the most and hope that prosperity trickles down to everyone else. In Washington, they call this the Ownership Society, but what it really means is – you’re on your own. Out of work? Tough luck. No health care? The market will fix it. Born into poverty? Pull yourself up by your own bootstraps – even if you don’t have boots. You’re on your own.
Dieser Textteil wird wohl für die einfache Mittelklasse zu kompliziert sein und zu akademisch, aber seine Anhäger werden diese Konstruktion dennoch bejubeln, ob sie sie wirklich verstanden haben oder nicht. Mit einem
Well it’s time for them to own their failure. It’s time for us to change America.
Leitete er dann auf die Ansichten seiner eigenen Partei und Kandidatur über, um die Unterschiede zu der republikanischen heraus zu stellen, woraufhin die üblichen Worte folgten, wie die Demokraten denn Wohlstand messen würden (also nicht an den grossen Fischen, sondern bei den kleinen Leuten).
Der nächste Abschnitt der Rede beschäftigte sich mit seinen Vorbildern und den Leuten, welche ihn geprägt hatten, wo er vor allem seine Grossmutter und seinen Vater heraushob. Auch stellte er klar, wie wichtig diese Eindrücke für ihn waren.
I don’t know what kind of lives John McCain thinks that celebrities lead, but this has been mine. These are my heroes. Theirs are the stories that shaped me. And it is on their behalf that I intend to win this election and keep our promise alive as President of the United States.
Und um dieses Versprechen ging es nun weiterhin, in dem er das typische Verhältnis der Amerikaner zur Regierung in Washington erläuterte, was er als seine eigenen Ansichten verkaufte. Anschliessend kam eine grosse Ankündigung, auf die viele schon seit langem gewartet hatten:
That’s the promise we need to keep. That’s the change we need right now. So let me spell out exactly what that change would mean if I am President.
Dabei tauchten nun die grossen Versprechungen auf, an denen er gemessen werden wird, sollte er wirklich Präsident werden:
- Steuererleichterungen
- Energie
- Bildung
- Gesundheitssystem
- Verschiedenes
Die Steuererleichterungen sind ein heisses Thema in den USA, da sie als eines der Hauptmittel zum beleben der Wirtschaft angesehen werden. Im gegensatz zu McCain, will er die erleichterungen einer breiten Masse zubiligen, genauer:
I will cut taxes – cut taxes – for 95% of all working families. Because in an economy like this, the last thing we should do is raise taxes on the middle-class.
Die anderen zusagen in dem Zusammenhang, dass er z.B. die Unternehmen bevorzugen wird, welche die Jobs in Amerika schaffen und nicht die die sie aus den USA verlagern, werden ebenfalls ein Prüfstein sein.
Die wohl schlagkräftigste Ankündigung, welche zwar in vielen Reden teilweise angekündigt wurde, aber wohl von ihm noch nie so klar und kurz zusammengefasst formuliert wurde:
And for the sake of our economy, our security, and the future of our planet, I will set a clear goal as President: in ten years, we will finally end our dependence on oil from the Middle East.
Das dieses Ziel nur schwerlich zu erreichen seien wird, sollte allen bewusst sein, da es da doch erhebliche Wiederstände gibt. Aber Versprechen wie über 10 Jahre 150 Milliarden Dollar in die neuen Energien zu investieren sind doch recht konkrete Aussagen wie er das erreichen möchte.
As President, I will tap our natural gas reserves, invest in clean coal technology, and find ways to safely harness nuclear power. I’ll help our auto companies re-tool, so that the fuel-efficient cars of the future are built right here in America. I’ll make it easier for the American people to afford these new cars. And I’ll invest 150 billion dollars over the next decade in affordable, renewable sources of energy – wind power and solar power and the next generation of biofuels; an investment that will lead to new industries and five million new jobs that pay well and can’t ever be outsourced.
Bildung für jedermann, ein weiteres Versprechen, was vor allem in einem Amerika mit hohen Studiengebühren ein grosses Gewicht hat für die kleinen Leute. Dabei kommen noch viele Ideen zur Sprache, aber wenig konkretes.
Ähnlich bei der Gesundheitsvorsorge, obwohl es dort genauere Versprechen gibt, was die Ausgestaltung angeht. Nicht nur dass jeder eine haben sollte, auch wie er mit den Versicherungen umgeht stellte er klar:
If you have health care, my plan will lower your premiums. If you don’t, you’ll be able to get the same kind of coverage that members of Congress give themselves. And as someone who watched my mother argue with insurance companies while she lay in bed dying of cancer, I will make certain those companies stop discriminating against those who are sick and need care the most.
Nachgeschoben hat er dann noch kleine Dinge, wie Änderung der Konkursgesetze, aber das wohl wichtigste dabei war das Versprechen der Gleichbehandlung bei der Bezahlung von Mann und Frau
And now is the time to keep the promise of equal pay for an equal day’s work, because I want my daughters to have exactly the same opportunities as your sons.
Wie es nun einmal so ist, müssen diese Pläne auch bezahlt werden, und auch darauf wollte er in dieser Rede eine Antwort liefern. Allerdings war dort dann nur vom Kampf gegen Steueroasen und Bürokratieabbau die Rede, was wohl kaum reichen wird. In diesem Punkt hat er also enttäuscht.
Lieber verwies er da darauf, das nicht nur Geld nötig sei, sondern auch Motivation der Menschen. Dabei lehnte er sich bewusst an John F. Kennedy an, vermied es aber den berühmten Satz zu zitieren, das man doch nicht fragen solle, was das Land für einen selber tuen könne, sondern das fragen solle, was man für das Land tuen kann. Das war auch eine weise Wahl, denn es hätte ihn zu sehr in die Nachfolgefigur von Kennedy katapultiert, und er will ja eigenständig dastehen. Somit hat er die Ideen dahinter halt länglich ausformuliert und fasste es zusammen mit:
Individual responsibility and mutual responsibility – that’s the essence of America’s promise.
Nun gings in die Aussenpolitik und um die Diskussion ob er fähig sei Commander-in-Chief zu sein. Er verweis wie gestern Biden auf das schlechte Urteilsvermögen McCains in den Fällen Irak und Afghanistan, und dort vor allem auf das Problem Osama-bin-Laden:
John McCain likes to say that he’ll follow bin Laden to the Gates of Hell – but he won’t even go to the cave where he lives.
Und um das ganze nochmal schön für die Medien aufzubereiten, stellte er fest:
That’s not the judgment we need. That won’t keep America safe. We need a President who can face the threats of the future, not keep grasping at the ideas of the past.
Auch entgegnete er den Vorwürfen, dass die Demokraten das Land in Gefahr bringen würden, in dem er auf Kennedy und Roosevelt verwies.
We are the party of Roosevelt. We are the party of Kennedy. So don’t tell me that Democrats won’t defend this country. Don’t tell me that Democrats won’t keep us safe. The Bush-McCain foreign policy has squandered the legacy that generations of Americans — Democrats and Republicans – have built, and we are here to restore that legacy.
Auch stellte er klar, wie er sich als Führer der Streitkräfte sieht, dass er zwar nicht zögern, aber doch nur gut überlegt seine Truppen in den Krieg schicken wird.
As Commander-in-Chief, I will never hesitate to defend this nation, but I will only send our troops into harm’s way with a clear mission and a sacred commitment to give them the equipment they need in battle and the care and benefits they deserve when they come home.
Auch stellte er dann klar, dass er zwar mit McCain debattieren will, aber nicht über Charakterfragen, wie Patriotismus diskutieren wird. Das machte er in dem er ein Thema aus seiner Rede vor vier Jahren aufgriff, dieses mal allerdings im Zusammenhang mit den Soldaten im Krieg, die doch Parteiunabhängig kämpfen würden.
The men and women who serve in our battlefields may be Democrats and Republicans and Independents, but they have fought together and bled together and some died together under the same proud flag. They have not served a Red America or a Blue America – they have served the United States of America.
Und für die Medien wurd es wieder zusammengefasst:
So I’ve got news for you, John McCain. We all put our country first.
Dann wurde es Zeit die Verbindenden Elemente der Amerikaner hervorzuheben, was ihm auch recht gut gelang, denn die Themen Abtreibung, Waffenbesitz und Homosexuellenehe sind schwieirge Gebiete, wo es anscheinend nur wenig Gemeinsamkeiten der beiden Parteien gibt, und dennoch suchte er sie:
We may not agree on abortion, but surely we can agree on reducing the number of unwanted pregnancies in this country. The reality of gun ownership may be different for hunters in rural Ohio than for those plagued by gang-violence in Cleveland, but don’t tell me we can’t uphold the Second Amendment while keeping AK-47s out of the hands of criminals. I know there are differences on same-sex marriage, but surely we can agree that our gay and lesbian brothers and sisters deserve to visit the person they love in the hospital and to live lives free of discrimination.
Dann griff er noch mal auf, dass er nicht der typische Politiker sei, und dennoch geeignet ist. Auch das der Wandel, den er immer wieder beschwört hatte, nichts ungewöhnliches sei. Er stellte die stärken Amerikas heraus, verwies aber darauf, das dieses nicht der Grund für den Erfolg des Landes seien, sondern der Glaube an den amerikanischen Geist.
This country of ours has more wealth than any nation, but that’s not what makes us rich. We have the most powerful military on Earth, but that’s not what makes us strong. Our universities and our culture are the envy of the world, but that’s not what keeps the world coming to our shores. Instead, it is that American spirit – that American promise – that pushes us forward even when the path is uncertain; that binds us together in spite of our differences; that makes us fix our eye not on what is seen, but what is unseen, that better place around the bend.
Dann kam die von vielen erhoffte Reminiszenz an Martin Luther King, welcher genau vor 45 Jahren die berühmte “I have a dream”-Rede hielt. Er verwies darauf, dass dessen Worte auch heute noch gültigkeit hätten, und das es für das Land kein Weg zurück gäbe, nicht bei den Problemen die anstehen.
“We cannot walk alone,” the preacher cried. “And as we walk, we must make the pledge that we shall always march ahead. We cannot turn back.” America, we cannot turn back. Not with so much work to be done. Not with so many children to educate, and so many veterans to care for. Not with an economy to fix and cities to rebuild and farms to save. Not with so many families to protect and so many lives to mend. America, we cannot turn back. We cannot walk alone.
Mit den typischen Abschlusssätzen beendete er dann die Rede.
Was man nun von der Rede halten mag, ist jedem selbst überlassen. Objektiv gesehen war sie sicherlich gut, aber das hatte man auch nicht anders erwartet, denn dafür war man von Obama schon zu viel gutes gewohnt in den letzten Jahren. Das er gut Reden kann ist bekannt, ob er gut handeln kann weniger. Zum ersten Mal hat er auch wirklich konkretes versprochen, versucht den Wandel mit Inhalt zu füllen, was ihm durchaus gelungen ist, denn die Erwartungen die er damit seine eventuelle Präsidentschaft gesetzt hat sind riesig, vor allem was den Energiesektor angeht. Auch reiht sich die Rede in die Reihe der guten Ansprachen auf dieser Convention ein, man könnte meinen das die Demokraten auf diesem Parteitag alles richtig gemacht haben, und die Erwartungen sind nun unermesslich, was den Parteitag der Republikaner angeht, der nächste Woche in Saint Paul stattfindet. Ob McCain kontern kann ist die alles Entscheidende Frage, welche wohl schon bald mit der Verkündung seiner Wahl des Running-Mates eingeläutet wird. Auch wird McCain versuchen Obama zu entzaubern, dessen Ideen als illusorisch und wirkungslos abstempeln, aber ich denke Obama hat die Chance hier genutzt, als erster schwarzer Präsidentschaftskandidat einer grossen partei in Amerika sich bei den Leuten gehör zu verschaffen. Alles weitere werden dann die nächsten 2 Monate zeigen ob das reicht.
Hintergrundartikel:
Geschrieben in Political Theories | Tags: Barack Obama, DNC, Hillary Clinton, John F. Kennedy, John McCain, Martin Luther King, Rede, Wahlkampf
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