100, 360, 500, 517, 638… es sind hübsche Zahlen, die Zahlen, die die eingetretene Katastrophe auf dem Finanzmarkt nun bekämpfen sollen. Das scheint zunächst unglaubwürdig, aber das liegt nur daran, dass dort die anzuhängenden neun Nullen und das grosse Eurozeichen fehlen. Es geht hier um gigantisch hohe Summen, welche auf dem Papier zur Bekämpfung der Krise aufs Spiel gesetzt werden, und wo die komplette politische Elite dieser Welt, inklusive ihrer Wirtschaftsberater, hofft, dass sie nur ein Papiertiger bleiben mögen, denn würde der Verlust real, wäre der Schaden wohl in den nächsten 20 Jahren nicht wieder auszugleichen.
Und siehe da, es hat heute funktioniert, zumindest wieder auf dem Papier. Nach tagelanger Talfahrt sind die Börsen wieder weltweit angezogen, teils mit nie da gewesenen Gewinnen. Grund dafür war das angeblich zurückgewonnene Vertrauen, welches nach den Rettungsaktionen am Wochenende wieder in den Markt einfliessen sollte. Um dieses zu initiieren hatten sich die Politiker international wirklich ins Zeug gelegt, denn nachdem sich die G7-Staaten auf die Eckpunkte geeinigt hatten, folgten ihnen die wichtigsten Schwellenländer nach ein paar Zugeständnissen im IWF, die sie seit Jahren forderten aber nie gewährt bekamen, fast ohne Murren. Dann rief da noch Frankreichs Präsident Sarkozy die Euro-Länder zusammen, und lies dort den britischen Premier Brown als Gastredner auftreten, der ihnen mal erklären sollte, wie man sich in so einer Krise verhält. Das war genau der Brown, den man vor kurzem noch abgeschrieben hatte, mit dem man sich Dank seiner schlechten Umfragewerte nicht mal mehr zusammen in der Öffentlichkeit sehen lassen wollte, und derjenige, den man so misstrauisch beäugte, als er vor einem Jahr schon eine Bank, Northern Rock, verstaatlichte. Nun galt er als Pionier und Retter in der Not, welcher den anderen den Weg weisen könne, und kaum war er abgereist, machten sich die Euro-Länder daran ihm nachzueifern und sich nun jeder seine tolle Summe auszudenken, um mehr Sicherheit auszustrahlen als ihre Nachbarn.
Das das ganze zwar nette Show, aber ohne wirklich Substanz ist, wird man noch schnell genug sehen. Dieses kritiklose Vertrauen-Streuen, welches von allen Unterstützt wird, weil es alternativlos sei, wird die Welt der Banken kaum verändern. Sie werden nicht von heute auf Morgen Verantwortungsbewusster und sie werden auch nicht, wenn sie denn erst einmal aus der Krise heraus manövriert wurden, die Finger von Hoch-Risiko-Geschäften lassen. Besonders da die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft für ihr Missmanagement gezogen werden, sondern schlimmer noch die Fehler nun alle ausbaden müssen, ist eine Wiederholung wohl nur eine Frage der Zeit. Auch wird der schöne Anstieg von heute auch sicher wieder seine Gewinnmacher hervorbringen, die nicht lange auf sich warten lassen werden, und dann wird der gefeierte Plan von heute ganz schnell wieder zum lahmen Ladenhüter.
Diese Krise ist nicht dabei gerade beendet zu werden, sie wird noch mehr zunehmen, denn wir stehen erst an ihrem Anfang, und sollten die werten Damen und Herren in der Politik nicht langsam etwas kreativer werden, wird es sicher genug Rekorde zu knacken geben, wie tief man mit einer Wirtschaftskrise fallen kann.
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