Barack Obama ist ein ungewöhnlicher Politiker für die USA, nicht nur seiner Hautfarbe oder seiner Herkunft her gesehen. Er hat das Talent hervorragende Reden zu halten und dabei Menschen aller Couleur mitzureissen. Dies wurde für die internationale Bühne erstmals deutlich vor gut vier Jahren, als er den Parteitag der Demokraten eröffnete, und dort John Kerry die Show stahl. Anschliessend machte er sich als Irakkrieg-Gegner einen Namen, was ihm letztendlich den entscheidenen Vorteil gegenüber Hillary Clinton im Vorwahlkampf brachte, die erst nach langem zögern die Niederlage eingestand.
Auf dem Weg zum diesjährigen Parteitag, versuchte er der aussenpolitischen Unerfahrenheit, die man ihm als grösstes Manko anrechnete durch eine viel beachtete Auslandsreise, mit dem Höhepunkt in Berlin, entgegenzuwirken. Als dieses ebenfalls nicht ausreichte, hohlte er den Erfahrenen Aussenpolitiker Joseph Biden als Running Mate ins Boot und zelebrierte beim DNC seine Redekunst in Perfektion. Dabei steckte er auch seine Wahlziele ab, die er in den Debatten mit McCain noch einmal da legte, um nun kurz vor der Wahl als klarer Favorit da zu stehen.
Was Obama/Biden wirklich für die Welt bedeuten würde, wenn sie denn nächste Woche gewinnen sollten, kann wohl kaum jemand wirklich vorhersagen. Die Versprechen waren Vielfältig und vor allem teuer, was mit ein paar guten Reden nicht zu refinanzieren seien wird. Es wird sicherlich der internationale Ton verändert werden, den die rethorischen Fähigkeiten sind überragend und dürften so manch internationalen Politiker aufs Glatteis führen, wenn man gegen Obama versucht zu argumentieren. So wird es auch schwerer werden politische Forderungen, wie Beteiligungen an Kriegen, auszuschlagen, was vor allem Deutschland hart träfe.
Aber noch ist die Wahl nicht gewonnen, denn gefahren wie Rassismus und Fehler in der letzten Sekunde bleiben weiter akut. Aber die Möglichkeit historisches zu vollbringen liegt zu seinen Füssen, er muss sie nun nur noch Umsetzen, und wer möchte daran wirklich Zweifeln, der seine Karriere in den letzten vier Jahren verfolgt hat.
Diese Nacht war es also soweit, Barack Obama hielt die entscheidenste Rede seines Lebens, vor 70000 mehr oder weniger Anhängern im Denver Footballstadion. In dieser Rede zur Akzeptanz seiner gestrigen Nominierung, nannte er erstmals wirklich konkrete Massnahmen um seinen Wandel mit Inhalt zu füllen und Griff John McCain, den Kandidaten der Republikaner scharf an.
Die Rede begann er wie erwartet mit der Akzeptierung der Nominierung, was er mit den Worten
With profound gratitude and great humility, I accept your nomination for the presidency of the United States.
hinter sich brachte. Anschliessend ging es weiter in den Formalien, indem er seinen wichtigsten Wegbegleitern dankte, aber auch Hillary und Bill Clinton, die in den letzten zwei Nächten einen guten Job machten um ihn anzupreisen.
Mit dem suchen des Anschlusses an seine Rede vor vier Jahren, in der er sich in der Keynote des DNC ausführlich vorgestellt hatte, und die ihn auf einen Schlag berühmt machte, verwies er noch einmal auf seine eigene Geschichte, und das diese nur in Amerika möglich sei, und beschrieb seine Befürchtung, das dieses in Gefahr sei, aufgrund der mislungenen Politik der derzeitigen Regierung.
Tonight, more Americans are out of work and more are working harder for less. More of you have lost your homes and even more are watching your home values plummet. More of you have cars you can’t afford to drive, credit card bills you can’t afford to pay, and tuition that’s beyond your reach.
These challenges are not all of government’s making. But the failure to respond is a direct result of a broken politics in Washington and the failed policies of George W. Bush.
Auch stellte er dann mit kurzen Beispielen fest, dass die USA ein besseres Land seien, als es sich unter der Bush Administration dargestellt hat, was er einleitete mit:
America, we are better than these last eight years. We are a better country than this.
und enden liess mit einem wohl von ihm gewünschten kurzen Satz, welcher in den Nachrichtensendungen landen soll:
On November 4th, we must stand up and say: “Eight is enough.”
Dabei widmete er sich McCain, welcher doch nur die Amtszeit von George Bush fortsetzen würde, ein Thema, welches auch schon seine Vorredner auf dieser Convention immer wieder betonten. Er kündigte an, dass auf der republikanischen Convention die Unterschiede wohl aufgezählt werden, zwischen McCain und Bush, stellte aber fest, dass das Abstimmungsverhalten etwas anderes zeige, und das die nur 10% Abweichungen in den Abstimmungen zu Bush zu wenig seien für ihn, was ihm grossen Beifall einbrachte.
But the record’s clear: John McCain has voted with George Bush ninety percent of the time. Senator McCain likes to talk about judgment, but really, what does it say about your judgment when you think George Bush has been right more than ninety percent of the time? I don’t know about you, but I’m not ready to take a ten percent chance on change.
So setzte er die Angriffe auf seinen Rivalen fort. Er stellte klar, dass er von den Plänen von McCain zu den Themen Wirtschaft, Gesundheitssystem und Bildung nichts hält, dass sie abgehoben und fern jeglicher Realität seien und den normalen Menschen nicht erreichen würden, und stellte seine Vermutung auf, warum das denn so sei:
It’s not because John McCain doesn’t care. It’s because John McCain doesn’t get it.
Dabei stellte er ihn in eine Reihe mit der gängigen Philosophie der Republikaner die grossen zu bevorzugen und die kleinen zu vernachlässigen, in diesem Falle mit viel bissiger Rhetorik welche hervorragend ankam.
For over two decades, he’s subscribed to that old, discredited Republican philosophy – give more and more to those with the most and hope that prosperity trickles down to everyone else. In Washington, they call this the Ownership Society, but what it really means is – you’re on your own. Out of work? Tough luck. No health care? The market will fix it. Born into poverty? Pull yourself up by your own bootstraps – even if you don’t have boots. You’re on your own.
Dieser Textteil wird wohl für die einfache Mittelklasse zu kompliziert sein und zu akademisch, aber seine Anhäger werden diese Konstruktion dennoch bejubeln, ob sie sie wirklich verstanden haben oder nicht. Mit einem
Well it’s time for them to own their failure. It’s time for us to change America.
Leitete er dann auf die Ansichten seiner eigenen Partei und Kandidatur über, um die Unterschiede zu der republikanischen heraus zu stellen, woraufhin die üblichen Worte folgten, wie die Demokraten denn Wohlstand messen würden (also nicht an den grossen Fischen, sondern bei den kleinen Leuten).
Der nächste Abschnitt der Rede beschäftigte sich mit seinen Vorbildern und den Leuten, welche ihn geprägt hatten, wo er vor allem seine Grossmutter und seinen Vater heraushob. Auch stellte er klar, wie wichtig diese Eindrücke für ihn waren.
I don’t know what kind of lives John McCain thinks that celebrities lead, but this has been mine. These are my heroes. Theirs are the stories that shaped me. And it is on their behalf that I intend to win this election and keep our promise alive as President of the United States.
Und um dieses Versprechen ging es nun weiterhin, in dem er das typische Verhältnis der Amerikaner zur Regierung in Washington erläuterte, was er als seine eigenen Ansichten verkaufte. Anschliessend kam eine grosse Ankündigung, auf die viele schon seit langem gewartet hatten:
That’s the promise we need to keep. That’s the change we need right now. So let me spell out exactly what that change would mean if I am President.
Dabei tauchten nun die grossen Versprechungen auf, an denen er gemessen werden wird, sollte er wirklich Präsident werden:
Steuererleichterungen
Die Steuererleichterungen sind ein heisses Thema in den USA, da sie als eines der Hauptmittel zum beleben der Wirtschaft angesehen werden. Im gegensatz zu McCain, will er die erleichterungen einer breiten Masse zubiligen, genauer:
I will cut taxes – cut taxes – for 95% of all working families. Because in an economy like this, the last thing we should do is raise taxes on the middle-class.
Die anderen zusagen in dem Zusammenhang, dass er z.B. die Unternehmen bevorzugen wird, welche die Jobs in Amerika schaffen und nicht die die sie aus den USA verlagern, werden ebenfalls ein Prüfstein sein.
Energie
Die wohl schlagkräftigste Ankündigung, welche zwar in vielen Reden teilweise angekündigt wurde, aber wohl von ihm noch nie so klar und kurz zusammengefasst formuliert wurde:
And for the sake of our economy, our security, and the future of our planet, I will set a clear goal as President: in ten years, we will finally end our dependence on oil from the Middle East.
Das dieses Ziel nur schwerlich zu erreichen seien wird, sollte allen bewusst sein, da es da doch erhebliche Wiederstände gibt. Aber Versprechen wie über 10 Jahre 150 Milliarden Dollar in die neuen Energien zu investieren sind doch recht konkrete Aussagen wie er das erreichen möchte.
As President, I will tap our natural gas reserves, invest in clean coal technology, and find ways to safely harness nuclear power. I’ll help our auto companies re-tool, so that the fuel-efficient cars of the future are built right here in America. I’ll make it easier for the American people to afford these new cars. And I’ll invest 150 billion dollars over the next decade in affordable, renewable sources of energy – wind power and solar power and the next generation of biofuels; an investment that will lead to new industries and five million new jobs that pay well and can’t ever be outsourced.
Bildung
Bildung für jedermann, ein weiteres Versprechen, was vor allem in einem Amerika mit hohen Studiengebühren ein grosses Gewicht hat für die kleinen Leute. Dabei kommen noch viele Ideen zur Sprache, aber wenig konkretes.
Gesundheitssystem
Ähnlich bei der Gesundheitsvorsorge, obwohl es dort genauere Versprechen gibt, was die Ausgestaltung angeht. Nicht nur dass jeder eine haben sollte, auch wie er mit den Versicherungen umgeht stellte er klar:
If you have health care, my plan will lower your premiums. If you don’t, you’ll be able to get the same kind of coverage that members of Congress give themselves. And as someone who watched my mother argue with insurance companies while she lay in bed dying of cancer, I will make certain those companies stop discriminating against those who are sick and need care the most.
Verschiedenes
Nachgeschoben hat er dann noch kleine Dinge, wie Änderung der Konkursgesetze, aber das wohl wichtigste dabei war das Versprechen der Gleichbehandlung bei der Bezahlung von Mann und Frau
And now is the time to keep the promise of equal pay for an equal day’s work, because I want my daughters to have exactly the same opportunities as your sons.
Wie es nun einmal so ist, müssen diese Pläne auch bezahlt werden, und auch darauf wollte er in dieser Rede eine Antwort liefern. Allerdings war dort dann nur vom Kampf gegen Steueroasen und Bürokratieabbau die Rede, was wohl kaum reichen wird. In diesem Punkt hat er also enttäuscht.
Lieber verwies er da darauf, das nicht nur Geld nötig sei, sondern auch Motivation der Menschen. Dabei lehnte er sich bewusst an John F. Kennedy an, vermied es aber den berühmten Satz zu zitieren, das man doch nicht fragen solle, was das Land für einen selber tuen könne, sondern das fragen solle, was man für das Land tuen kann. Das war auch eine weise Wahl, denn es hätte ihn zu sehr in die Nachfolgefigur von Kennedy katapultiert, und er will ja eigenständig dastehen. Somit hat er die Ideen dahinter halt länglich ausformuliert und fasste es zusammen mit:
Individual responsibility and mutual responsibility – that’s the essence of America’s promise.
Nun gings in die Aussenpolitik und um die Diskussion ob er fähig sei Commander-in-Chief zu sein. Er verweis wie gestern Biden auf das schlechte Urteilsvermögen McCains in den Fällen Irak und Afghanistan, und dort vor allem auf das Problem Osama-bin-Laden:
John McCain likes to say that he’ll follow bin Laden to the Gates of Hell – but he won’t even go to the cave where he lives.
Und um das ganze nochmal schön für die Medien aufzubereiten, stellte er fest:
That’s not the judgment we need. That won’t keep America safe. We need a President who can face the threats of the future, not keep grasping at the ideas of the past.
Auch entgegnete er den Vorwürfen, dass die Demokraten das Land in Gefahr bringen würden, in dem er auf Kennedy und Roosevelt verwies.
We are the party of Roosevelt. We are the party of Kennedy. So don’t tell me that Democrats won’t defend this country. Don’t tell me that Democrats won’t keep us safe. The Bush-McCain foreign policy has squandered the legacy that generations of Americans — Democrats and Republicans – have built, and we are here to restore that legacy.
Auch stellte er klar, wie er sich als Führer der Streitkräfte sieht, dass er zwar nicht zögern, aber doch nur gut überlegt seine Truppen in den Krieg schicken wird.
As Commander-in-Chief, I will never hesitate to defend this nation, but I will only send our troops into harm’s way with a clear mission and a sacred commitment to give them the equipment they need in battle and the care and benefits they deserve when they come home.
Auch stellte er dann klar, dass er zwar mit McCain debattieren will, aber nicht über Charakterfragen, wie Patriotismus diskutieren wird. Das machte er in dem er ein Thema aus seiner Rede vor vier Jahren aufgriff, dieses mal allerdings im Zusammenhang mit den Soldaten im Krieg, die doch Parteiunabhängig kämpfen würden.
The men and women who serve in our battlefields may be Democrats and Republicans and Independents, but they have fought together and bled together and some died together under the same proud flag. They have not served a Red America or a Blue America – they have served the United States of America.
Und für die Medien wurd es wieder zusammengefasst:
So I’ve got news for you, John McCain. We all put our country first.
Dann wurde es Zeit die Verbindenden Elemente der Amerikaner hervorzuheben, was ihm auch recht gut gelang, denn die Themen Abtreibung, Waffenbesitz und Homosexuellenehe sind schwieirge Gebiete, wo es anscheinend nur wenig Gemeinsamkeiten der beiden Parteien gibt, und dennoch suchte er sie:
We may not agree on abortion, but surely we can agree on reducing the number of unwanted pregnancies in this country. The reality of gun ownership may be different for hunters in rural Ohio than for those plagued by gang-violence in Cleveland, but don’t tell me we can’t uphold the Second Amendment while keeping AK-47s out of the hands of criminals. I know there are differences on same-sex marriage, but surely we can agree that our gay and lesbian brothers and sisters deserve to visit the person they love in the hospital and to live lives free of discrimination.
Dann griff er noch mal auf, dass er nicht der typische Politiker sei, und dennoch geeignet ist. Auch das der Wandel, den er immer wieder beschwört hatte, nichts ungewöhnliches sei. Er stellte die stärken Amerikas heraus, verwies aber darauf, das dieses nicht der Grund für den Erfolg des Landes seien, sondern der Glaube an den amerikanischen Geist.
This country of ours has more wealth than any nation, but that’s not what makes us rich. We have the most powerful military on Earth, but that’s not what makes us strong. Our universities and our culture are the envy of the world, but that’s not what keeps the world coming to our shores. Instead, it is that American spirit – that American promise – that pushes us forward even when the path is uncertain; that binds us together in spite of our differences; that makes us fix our eye not on what is seen, but what is unseen, that better place around the bend.
Dann kam die von vielen erhoffte Reminiszenz an Martin Luther King, welcher genau vor 45 Jahren die berühmte “I have a dream”-Rede hielt. Er verwies darauf, dass dessen Worte auch heute noch gültigkeit hätten, und das es für das Land kein Weg zurück gäbe, nicht bei den Problemen die anstehen.
“We cannot walk alone,” the preacher cried. “And as we walk, we must make the pledge that we shall always march ahead. We cannot turn back.” America, we cannot turn back. Not with so much work to be done. Not with so many children to educate, and so many veterans to care for. Not with an economy to fix and cities to rebuild and farms to save. Not with so many families to protect and so many lives to mend. America, we cannot turn back. We cannot walk alone.
Mit den typischen Abschlusssätzen beendete er dann die Rede.
Was man nun von der Rede halten mag, ist jedem selbst überlassen. Objektiv gesehen war sie sicherlich gut, aber das hatte man auch nicht anders erwartet, denn dafür war man von Obama schon zu viel gutes gewohnt in den letzten Jahren. Das er gut Reden kann ist bekannt, ob er gut handeln kann weniger. Zum ersten Mal hat er auch wirklich konkretes versprochen, versucht den Wandel mit Inhalt zu füllen, was ihm durchaus gelungen ist, denn die Erwartungen die er damit seine eventuelle Präsidentschaft gesetzt hat sind riesig, vor allem was den Energiesektor angeht. Auch reiht sich die Rede in die Reihe der guten Ansprachen auf dieser Convention ein, man könnte meinen das die Demokraten auf diesem Parteitag alles richtig gemacht haben, und die Erwartungen sind nun unermesslich, was den Parteitag der Republikaner angeht, der nächste Woche in Saint Paul stattfindet. Ob McCain kontern kann ist die alles Entscheidende Frage, welche wohl schon bald mit der Verkündung seiner Wahl des Running-Mates eingeläutet wird. Auch wird McCain versuchen Obama zu entzaubern, dessen Ideen als illusorisch und wirkungslos abstempeln, aber ich denke Obama hat die Chance hier genutzt, als erster schwarzer Präsidentschaftskandidat einer grossen partei in Amerika sich bei den Leuten gehör zu verschaffen. Alles weitere werden dann die nächsten 2 Monate zeigen ob das reicht.
Hintergrundartikel:
Tag drei beim Nominierungsparteitag der Demokraten, der Democratic National Convention, in Denver. Unter anderem standen dort nun die endgültige Nominierung von Obama auf dem Programm, welche letztendlich nach dem Rückzug von Hillary Clinton durch Akklamation durchgeführt wurde. Dieser Trick um die Einigkeit zu demonstrieren wird eventuell noch eine Rolle spielen, da besonders McCain darauf aus ist zu zeigen, dass die Demokraten nicht einig sind, und es immer wieder vorwürfe gab in den letzten Wochen, dass die Demokraten die Zweifler in den eigenen Reihen versuchen Mundtot zu bekommen.
Ausserdem redete Bill Clinton, welcher kurz gesagt die Eignung Obamas als Präsident in den Vordergrund stellte, das was die Republikaner bekanntlich hauptsächlich bezweifeln. Obwohl die Rede mittlerweile von vielen als Aussergewöhnlich beschrieben wird, werd ich mich hier dennoch auf das Video beschränken, da der eigentliche Höhepunkt des Abends wohl etwas entscheidender für den weiteren Wahlkampf sein wird.
Dieser Höhepunkt war die Akzeptierungsrede von Joe Biden, dem Running Mate von Obama und somit Kandidat für den Vizepräsidentenposten.
In dieser Rede begann er mit einer kleinen Vorstellung seiner selbst, bevor er kurz und bündig akzeptierte. Danach widmete er sich Obama und McCain. Mit Obama stellte er seine gemeinsamkeiten heraus und bei McCain bzw. Bush stellte er zuersteinmal heraus, welche Probleme die Menschen nun unter dieser Administration hatten.
Should mom move in with us now that dad is gone? Fifty, sixty, seventy dollars to fill up the car? Winter’s coming. How we gonna pay the heating bills? Another year and no raise? Did you hear the company may be cutting our health care? Now, we owe more on the house than it’s worth. How are we going to send the kids to college? How are we gonna be able to retire?
Daraufhin wurde Obamas Geschichte noch einmal durchgekaut, seine Entscheodung nach der Uni nicht an die Wall Street oder ähnliche Karriere zu machen, sondern in den Problembezirken Chicagos sich zu engagieren stellte er dabei besonders in den Vordergrund. Auch das dieser aus diesen Zeiten gelernt habe und darum die Möglichkeiten sehen würde, wie man das Land ändern könne, und das er das auch tun würde, wurde gepriesen, womit er das Hauptthema Obamas, den Wandel, aufgriff.
I watched how he touched people, how he inspired them, and I realized he has tapped into the oldest American belief of all: We don’t have to accept a situation we cannot bear. We have the power to change it. That’s Barack Obama, and that’s what he will do for this country. He’ll change it.
Anschliessend wurde sich nun McCain vorgeknöpft, was zuerst einmal mit warmen Worten eingeleitet wurde.
John McCain is my friend. We’ve known each other for three decades. We’ve traveled the world together. It’s a friendship that goes beyond politics. And the personal courage and heroism John demonstrated still amaze me.
Dann stellte er klar, das er darüber hinaus allerdings keine Einigkeit im Politischen Bereich mehr mit diesem habe, und lieferte dazu zahlreiche Beispiele, wie die Hohe Rate der Zustimmung McCains zu Bush-Gesetzen, den hohen Steuererleichterungen für Unternehmen, nicht aber für die armen Leute im Land oder dessen Weigerung gegenüber dem Mindestlohn. Das alles wollte er nun auch in den Zusammenhang der aktuellen Administration bringen, um ihn nur als Fortsetzung von Bush darzustellen, sodass er jedes Beispiel mit dem Satz enden liess:
That’s not change; that’s more of the same.
Was das Publikum dankbar aufgriff.
Nun kam der Vergleich zu Obama, dessen Vorstellungen von Steuererleichterungen, Gesundheitssystem und Sicherheit, und auch hier verwendete er jeweils einen Abschlusssatz:
That’s the change we need.
Danach widmete er sich nun seinem Steckenpferd, weswegen er als Running Mate ausgewählt wurde, der Aussenpolitik. Dort ist Obama besonders anfällig, was Biden versuchte zu relativieren. Dabei erklärte er das Verhalten der Bush-Administration und Obamas zu den Themen Afghanistan, Iran und Irak und wie sich deren frühes Urteil in der Realität bewährt hätte und natürlich fand er dabei heraus, das immer galt:
John McCain was wrong. Barack Obama was right.
Damit beendete auch seine Rede, aber noch ohne zu erwähnen wie wichtig doch die Wahl sei:
These are extraordinary times. This is an extraordinary election. The American people are ready. I’m ready. Barack Obama is ready. This is his time. This is our time. This is America’s time.
Die Frage bei der Bewertung der Rede ist, was man von ihr erwartet hat. Die Rede war gut arrangiert, keine Frage, aber wirklich übermässig mitreissen konnte Biden die Menge trotzdem nicht wirklich. Das ist zum einen Gut, da er somit Obama für den morgigen Tag nicht die Show stiehlt, das ist zum anderen schlecht, da es gerade seine Themen sind, die derzeit so wichtig für den Obama-Wahlkampf sind. Nichts-desto-trotz war die Wahl Bidens sicherlich kein wirklicher Fehler, denn das Aussenpolitische ist nun einmal Obamas Schwachpunkt Nummer 1. Drum war der Abschnitt, welcher die Befähigung Obamas als Oberbefehlshaber und dessen Korrektheit von dessen Urteilsvermögens so wichtig. Obamas Team wird nun in Zukunft immer wieder auf diese Umstände hinweisen, und so wird es schwer werden für McCain wirklich die Führungsschwäche glaubhaft zu machen auf Dauer. Sicherlich, wenn Obama wie in der Georgienkrise sich weiterhin in solchen Fällen so naiv verhält, dann wird er dieses Thema klar verlieren, da hilft auch kein Joe Biden als wichtigster Berater, aber ich denke Obama wird daraus gelernt haben für die letzten 2 Monate des Wahlkampfes.
Morgen nun kommt endlich die Rede von Obama, dann in einem Footballstadion, und er wird viel zu übertrumpfen haben. Ob ihm das gelingt wird letztendlich entscheidend dafür sein, ob er in den Swingstates überhaupt eine Chance hat.
Die Show der Nominierungsparteitage hat begonnen und den Anfang machen die Demokraten in Denver. Über drei Tage hinweg soll der Kandidat Barack Obama vorgestellt und beworben werden, bevor er dann am vierten selber in den Ring steigt um das ganze zu toppen… so zumindest sieht es das Drehbuch vor.
Nachdem es am ersten Tag den Familientag gab, welcher ausschliesslich den Kandidaten als Menschen vorstellen sollte, wird es nun politischer, angefangen mit der Rede der unterlegenen Vorwahlgegnerin Hillary Clinton. Die Rede war abermals gut gehalten, nachdem sie aus den Primaries ausgeschieden war und offenbar Beratung aus dem Lager Obamas bekommen hat, nicht das erste mal.
So begann sie um keine Zweifel an ihrer Aufgabe auf diesem Parteitag zu lassen mit der Unterstützungsbekundung für Obama und rief ihre Anhänger dazu auf diesen nun endgültig zu unterstützen. Auch machte sie sofort klar, was sie weiterhin als Aufgabe ansah: Den republikanischen Kandidaten John McCain anzugreifen.
No way. No how. No McCain. Barack Obama is my candidate. And he must be our President.
Dann begann sie mit ihren typischen Geschichten, welche sie den ganzen Wahlkampf über immer wieder erzählte von den Menschen die sie bei den Primaries getroffen hatte. Diese Symbolfiguren ihrer Kampagne versuchte sie dann auch mit den Ideen Obamas zu verbinden, indem sie sich daran machte die Defizite der Bush-Administration zu benennen.
Jobs lost, houses gone, falling wages, rising prices. The Supreme Court in a right-wing headlock and our government in partisan gridlock. The biggest deficit in our nation’s history. Money borrowed from the Chinese to buy oil from the Saudis. Putin and Georgia, Iraq and Iran.
Dem Gegenüber stellte sie dann ihre eigenen Ideen ihrer Kampagne von einem besseren Amerika, vom Gesundheitssystem für alle bis zur multilateralen Aussenpolitik, um dann damit zu schliessen dass es auch Obamas Ideale seien.
Those are the reasons I ran for President. Those are the reasons I support Barack Obama. And those are the reasons you should too.
Danach wurden die Verdienste Obamas gewürdigt, und sie stellte ihn ausdrücklich in die Reihe derer, welcher für die entscheidenden Mittelklassenwähler in der Vergangenheit gekämpft hätte in seiner politischen Vergangenheit. Auch stellte sie ihn dar als jemand, welcher die Politik, welche ihr Mann Bill Clinton begonnen hatte nun würdig fortsetzen wolle. Dabei spielte sie vor allem auf die Wirtschaft an, das Kernthema des diesjährigen Wahlkampfes.
And when Barack Obama is in the White House, he’ll revitalize our economy, defend the working people of America, and meet the global challenges of our time. Democrats know how to do this. As I recall, President Clinton and the Democrats did it before. And President Obama and the Democrats will do it again.
Nachdem also nun Obama beworben war, kam sie zum zweiten wichtigen Teil ihrer Rede, der Blossstellung McCains. Sie würdigte zwar dessen Dienste für Amerika, kritisierte aber dann das politische Programm des Kontrahenten.
John McCain says the economy is fundamentally sound. John McCain doesn’t think that 47 million people without health insurance is a crisis. John McCain wants to privatize Social Security. And in 2008, he still thinks it’s okay when women don’t earn equal pay for equal work.
Besonders die Frauenrechte führte sie dann noch aus, bevor sie dann mit einem klassischen Aufruf an Amerika endete.
That is our duty, to build that bright future, and to teach our children that in America there is no chasm too deep, no barrier too great – and no ceiling too high – for all who work hard, never back down, always keep going, have faith in God, in our country, and in each other.
Wie schon oben erwähnt war die Rede für den Anlass gut, zu befürchten ist allerdings, das sie zu gut war. Denn nun stehen noch zwei Protagonisten aus, die auf dem Parteitag zu reden haben, der Vizepräsident-Kandidat Joe Biden und Barack Obama selbst. Beide müssen diese Rede toppen, wenn sie eine reelle Chance haben wollen aus diesem Parteitag gestärkt hervor zu gehen, und es droht das gleiche Dilemma wie vor vier Jahren, als der damals unbekannte Barack Obama John Kerry die Show vermiesste, indem er eine zu Gute Keynote hielt.
Allerdings hat sich nun auch gezeigt, dass Clinton in diesem Wahlkampf besonders wertvoll für die Demokraten seien kann, denn Obama hat nun den Luxus neben seinem Running Mate Biden auch Clinton für die Drecksarbeit im schiessen gegen McCain zur Verfügung zu haben. DIese wieder rum hat sich mit dieser rede sicherlich auf Jahre hinweg einen Platz im Senat gesichert, und sollte Obama scheitern, stände sie sicherlich in vier Jahren nahezu unangefochten als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten da.
Aber lassen wir uns überraschen, was der Rest der DNC noch bringen mag, heute ist wie gesagt der Tag des Running Mates und er wird das schlechte Bild Obamas in der Georgienkrise nun sicherlich versuchen auszuwischen, wo er doch nun der Mann für die Aussenpolitik ist.
Die Rede von Obama an der Siegessäule in Berlin ist vorbei, und alle werden nun meinen sehr viel schlauer zu sein. Ob das nun wirklich so ist mag bezweifelt werden, denn dafür war die Rede doch zu schwammig, wenn auch wie man es bei ihm gewohnt ist sehr ordentlich strukturiert. Wem das Redemanuskript interessiert kann es sich unter CNN ansehen. Ansonsten das Video:
Aber kommen wir zur Analyse. Begonnen hat er damit sich selbst vorzustellen, die bekannte Geschichte seiner Mutter und seines Vaters, wie man es schon auf seiner Vorstellung für Amerika auf der DNC 2004 gesehen hat. Des weiteren setzt er im folgenden auf zahlreiche Anspielungen auf seine Vorgänger welche in Berlin geredet haben, John F. Kennedy und Ronald Ragon. Die Anlehnung an letzterer erfolgte in dem Symbol der neuen Mauern, welche er nach dem kleinen Exkurs in die Geschichte des Kalten Krieges anbrachte:
“That is why the greatest danger of all is to allow new walls to divide us from one another. The walls between old allies on either side of the Atlantic cannot stand. The walls between the countries with the most and those with the least cannot stand. The walls between races and tribes; natives and immigrants; Christian and Muslim and Jew cannot stand. These now are the walls we must tear down.”
Nun folgte der grosse Abschnitt, welcher diesen Moment betonte, und dabei darauf anspielte, dass Europa und Amerika wieder besser zusammenarbeiten müssen, und betonte dabei die Kernpunkte der derzeitigen Herausforderungen:
Terrorismus
“…we can stand with the vast majority of Muslims who reject the extremism that leads to hate instead of hope.”
Dieser Satz wird in Europa als selbstverständlich hingenommen werden, in Amerika ist dieses Bild nach dem 11. September dieses nun einmal ganz und gar nicht mehr der Fall. Dadurch das er den Begriff Hoffnung für sich reserviert hat, bekommt er auch eine etwas eigenartige Bedeutung für den Wahlkampf.
Drogen
“But my country and yours have a stake in seeing that NATO’s first mission beyond Europe’s borders is a success. For the people of Afghanistan, and for our shared security, the work must be done. America cannot do this alone. The Afghan people need our troops and your troops; our support and your support to defeat the Taliban and al Qaeda, to develop their economy, and to help them rebuild their nation. We have too much at stake to turn back now.”
Aussagen zu Afghanistan (hier eingeleitet durch die Auswirkungen die die Unordnung in Afghanistan auch auf uns ha, nämlich der Drogenhandel) waren heiss erwartet worden, und leider gibt es hier viel Interpretationsspielraum. Will er das Deutschland mehr tut (wie zum Beispiel Soldaten im Süden des Landes), oder ist er hier mit der aktuellen Rolle zu Frieden, wo die Wiederaufbauhilfe noch betont wird. Beides ist möglich, wobei ersteres wohl der Fall seien wird, aber einen Rückzug aus Afghanistan von Deutscher Seite hält er offenbar nicht für akzeptabel.
Nuklearfreie Welt
“This is the moment when we must renew the goal of a world without nuclear weapons. [...] It is time to secure all loose nuclear materials; to stop the spread of nuclear weapons; and to reduce the arsenals from another era. This is the moment to begin the work of seeking the peace of a world without nuclear weapons.”
Dies wird wohl der meist diskutierte Abschnitt werden in den USA. Denn bisher gilt das Aufgeben der Nuklearen Option als nicht verhandelbar. Zwar relativiert er das ganze etwas dadurch, das er die Waffen nur gesichert haben will und das Arsenal reduziert, aber allein das Ziel die Atomwaffen vielleicht eines Tages ganz abzuschaffen (wo die USA ja gerade der grösste Besitzer dieser sind), kommt etwas überraschend. Es wird auch von den Republikanern wohl genutzt werden, um Obama als jemanden darzustellen, der das Land in Gefahr bringt, indem er plant dieses zu schwächen. Auch wenn es so eventuell gar nicht gemeint war, aber damit macht er sich höchstens Freunde in Europa, nicht in den USA.
selbstbestimmtes Europa
“…every nation in Europe must have the chance to choose its own tomorrow free from the shadows of yesterday. In this century, we need a strong European Union that deepens the security and prosperity of this continent, while extending a hand abroad.”
Die Befürwortung eines Starken Europas und der EU, aber auch Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes jedes seiner Mitglieder. Es klingt sicher positiver wie bei Bush, aber so etwas könnte auch schnell zu einer Sonntagsredeninterpretation führen, denn über Knackpunkte inwieweit Europa z.B. im Militärischen unabhängig von den USA aggieren darf und soll bleibt offen.
freier Handel
“But we will not be able to sustain this growth if it favors the few, and not the many.”
Ein Satz für die Massen, der den Arbeitern, welche wohl die Swingstates entscheiden werden, wie Öl den Rachen runter gehen wird.
Mittlerer Osten
“My country must stand with yours and with Europe in sending a direct message to Iran that it must abandon its nuclear ambitions. We must support the Lebanese who have marched and bled for democracy, and the Israelis and Palestinians who seek a secure and lasting peace.”
Damit will er wohl die weltgewandheit zeigen und das er Ahnung von der Region hat. Der Hinweis auf Iran und Israel ist zu erwarten, Libanon wird immer gerne unterdrückt, obwohl die Probleme dort immer wieder enorm sind, wie in den letzten Monaten gesehen.
Klimawandel
“Let us resolve that we will not leave our children a world where the oceans rise and famine spreads and terrible storms devastate our lands. Let us resolve that all nations – including my own – will act with the same seriousness of purpose as has your nation, and reduce the carbon we send into our atmosphere.”
Das wird man gerne hören in Europa, aber es heisst wohl nicht ja zu Kyoto, sondern erst das Ja für das Nachfolgeabkommen im nächsten Jahr, wenn es in Kopenhagen um die Regeln ab 2012 geht. Das er die USA an den Klimaweltmeister Deutschland messen will (ja, so wird man international nun einmal wahrgenommen) ist eine hohe Hürde, denn zumindest von den Worten die von Merkel und Co kommen wird das für die USA schwer umsetzbar sein.
Solidarität für zurückhängende Staaten
“…we must give hope to those left behind in a globalized world. [...] And in that show of solidarity, those pilots won more than a military victory. They won hearts and minds; love and loyalty and trust – not just from the people in this city, but from all those who heard the story of what they did here.
Dieser Rückgriff auf die Geschichte, und somit die Ankündigung, das das Verhalten der USA in ihren Kriegsgebieten nicht mehr nur als Besatzer wahrgenommen werden soll, sondern auch als Befreier und Freund, wird viel Arbeit bedeuten, falls er die Wahl gewinnen sollte. Es ist ein weiteres klares Absetzen von der Bush-Administration, die durch zahlreiche Fehler und arrogantes Auftreten in den entsprechenden Staaten viele Probleme hat.
Er betont dann noch einmal das er sich an die Versprechungen die in der Vergangenheit gemacht wurden halten möchte und beendet diesen Abschnitt mit
“People of Berlin – people of the world – this is our moment. This is our time.”
Das was im Skript als der grosse Höhepunkt wirkte, war doch eher ruhig vorgetragen worden, so das es quasi unterging. Dort ist Obama dem Redenschreiber, der ihm die Worte des Tages je nach Stimmung wohl offen halten wollte, nicht gefolgt, was wohl auch gut war.
“I know my country has not perfected itself. At times, we’ve struggled to keep the promise of liberty and equality for all of our people. We’ve made our share of mistakes, and there are times when our actions around the world have not lived up to our best intentions.”
Im Ausland schickt es sich bekanntlich nicht die eigene Regierung zu kritisieren, und genau das machte diese Rede so schwierig. Dieses Eingeständnis das sein Land auch so seine Probleme hat ist somit auch eher für die Europäer gedacht, welche sich bestätigt fühlen wollen,d as sie es doch besser gewusst haben in vielen Bereichen. In den USA wird das als Augenwischerei betrachtet werden und nicht weiter beachtung finden, da es nun einmal nur schöne Worte ohne Substanz sind. So endet dann auch der Rest der rede mit noch vielen solchen Worten.
Die gesamte Rede war sicherlich nicht die historische wie sie viele erwartet bzw. erhofft hatten, aber das durfte sie auch nicht sein, wenn er seinen Wahlsieg im November nicht gefährden wollte. Er hat sich nicht hinreissen lassen einen deutschen Satz zu versuchen, und das war auch richtig so. Es war eine solide Rede, ohne konkrete Festlegungen, und viele grosse Ziele die hier angesprochen worden sind müssen noch mit Inhalt gefüllt werden. Aber dazu kann man dann im neuen Jahr kommen, wenn er wirklich McCain schlagen sollte.
Nun ist es klar, das diesjährige US-Präsidentschaftswahl-Duell wird am 4. November zwischen dem Republikanischen Vertreter John McCain und seinem Demokratischen Counterpart Barack Obama ausgetragen. Lange Monate des Vorwahlkampfes liegen nun hinter diesen beiden Kandidaten, der erbitterterte wohl für Obama.
Nachdem es ihm nun endlich am Dienstag gelungen war, sich die Mehrheit der Deligierten für die Convention im August zu sichern, gestand nun gestern seine Gegnerin Hillary Clinton ihre Niederlage ein. In ihrer wohl besten Rede überhaupt hat sie eine beeindruckende Rede für ihren bisherigen Gegner gehalten. Was auch immer die Tage beim Geheimtreffen der beiden ausgehandelt wurde (manch einer mag nun behaupten er habe ihr Nachhilfe im Redenschreiben gegeben), es hat Clinton dazu bewogen trotz der bisherigen Widerspenstigkeit ihre Anhänger für Obama zu begeistern. Wer es bisher nicht gesehen hat, der kann sich hier die Youtube-Version ansehen.
Des weiteren gibt es eine kurze Zusammenfassung von Andersdenken 2.0.
Was nun aus dieser Unterstützung wird, und ob sie wirklich etwas nutzt, das wird man in der nahen Zukunft sehen. Auch die zukünftige Rolle von Clinton ist derzeit noch offen. Wird sie eine Position innerhalb der Obama-Delegation wahrnehmen, falls dieser Gewinnen sollte? Wird sie vielleicht sogar als Vizepräsidentin kandidieren? Oder geht sie zurück in den Senat, wo ihr die Chance zugebilligt wird, eine so schillernde und einflussreiche Persönlichkeit wie Ted Kennedy zu werden? Eventuell tritt sie auch noch einmal an zur Präsidentschaftswahl 2012 oder 2016.
Nun also erst einmal zur Wahl 2008, wo nun also die beiden Kontrahenten nicht ungleicher seien könnten. Es droht eine hochpolarisierte Wahl, bei zwei so unterschiedlichen Kandidaten: Demokrat gegen Republikaner, schwarz gegen weiss, jung gegen alt, Irakkriegsgegner gegen Kriegsveteran usw. Weiter geht es nun mit der DNC und RNC, Ende August bzw. Anfang September, wo die offizielle Nominierung stattfindet, und bis dahin stehen auch die Running Mates fest. Es wird also Spannend, und die Schlammschlacht wird wohl schneller beginnen als einem Lieb sein wird.
Die Vorwahlen der Demokraten werden nicht dieser Tage entschieden, nein, die Entscheidung viel an sich schon im Herbst letzten Jahres. Dort begab es sich, dass die Demokratischen Parteivertretungen in Michigan und Florida ihre Vorwahlen nicht erst nach dem ersten Februarwochenende ansetzten, sondern schon in den Januar verlegten. So durcheinander die Umstände damals auch gewesen seien mögen, die Regeln waren zu diesem Zeitpunkt unmissverständlich klar: Das kostet diesen beiden Staaten mindestens 50% der Deligierten auf der Democratic National Convention im August 2008.
Damals stimmten die beiden heute noch verbliebenen Demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und Hillary Clinton darin überein, das in diesen beiden Staaten die Vorwahlen ignoriert werden, denn auch wenn es dort viele Delegiertenstimmen zu hohlen gab, erwartete niemand, das diese wirklich Entscheidend seien würden, wo die meisten Vorwahlen schon nach dem Super-Tuesday quasi entschieden sind. Aber diesesmal ist alles anders. Es kommt auf jede Stimme an, und so ging es in den Entscheidungsgremien der Partei dieser Nächte um alles oder nix für Clinton (siehe dazu auch PatJe), und sie verlor.
Der Regelausschuss der Partei entschied, dass die Delegierten der beiden Staaten zwar teilnehmen dürften, jeder aber nur halbes Stimmrecht erhielte. Damit ist der Sieg Obamas um die Nominierung nun endgültig geklärt, denn auch wenn das Lager um Clinton nun versuchen sollte diese Entscheidung noch anzufechten, so sollte sie nun endgültig Verstanden haben, das sie zumindest dafür keine Unterstützung mehr in der Führungsriege der Demokraten hat. Diese wollen das Drama nun schnell beenden, und spätestens kurz nach Ende der Primaries Mitte der Woche die letzten Superdeligierten stimmen verteilt sehen. Denn wie Daniel Schurter ganz richtig bemerkt, bringt das ganze hin und her nur Vorteile für die Republikaner unter John McCain, und ein nahezu leichtgeglaubter Sieg der Demokraten gerät sonst weiter in Gefahr. Es ist nun Zeit für einen Frieden innerhalb der Partei, um diese fit zu machen für die Wahlen im November.