Über das Wochenende hinweg bis zum heutigen Mittwoch hat die grösste Britische Oppositionspartei, die Conservatives ihren parteitag in Birmingham abgehalten. Unter ihrem Anführer David Cameron, steht sie derzeit gut da, und führt mit grossem Vorsprung in den landesweiten Umfragen vor der aktuell regierenden Labour-Party. Diese hatte in der letzten Woche ihren Parteitag abgehalten, wo der Premier Gordon Brown versuchte die Reihen hinter sich wieder zu schliessen. Nun war sein Counterpart an der Reihe, um zu zeigen, dass er fähig ist auch als Favorit gute Reden zu schwingen.
Dabei konzentrierte er sich auf die Reform der Gesellschaft, nicht nur ihrer Einrichtungen. Um dieses umzusetzen, waren natürlich auch Steuersenkungen und effektivere und bessere Systeme angesprochen worden, aber der Fokus war ohne Zweifel auf die Werte gelegt, um auch die alt-Konservativen mitnehmen zu können in seiner Idee vom Change.
Darüber hinaus war es eine gute Rede mit recht viel Humor, welche einen möglichen Wahlkampf zwischen Brown und Cameron sicherlich interessant werden lassen. Die Zukunft wird zeigen ob er sich mit seinen Ansätzen auch ind er eigenen Partei durchsetzen können wird, denn was Blair für New Labour war, ist Cameron für die New Conservatives. Vieles wird umstritten bleiben, und so bleibt abzuwarten, wie die Partei zu ihm stehen wird, wenn er nicht mehr auf der Welle des Erfolges schwebt.
Redeanalyse (Quelle des Redetextes: The Conservatives)
Begonnen hat Cameron mit einer kurzen Begrüssung und ein paar humorvollen Bemerungen, um sich danach der Finanzkrise zu widmen. Zu dieser meinte er, dass er zuerst mit de Regierung zusammenarbeiten müsse, aber in einem weiteren Schritt die Fehler der selbigen aufzeigen müsse, da es seine Verfassungsgegebene Rolle sei.
[...]we will not allow what happened in America to happen here, we will work with the government in the short term in order to protect our economy. But as I also said yesterday, that must not stop us telling the truth about the mistakes that have been made. It is our political duty and if we had a written constitution I would say constitutional duty to hold the government to account, to explain where they went wrong, and how we would do things differently to rebuild our economy for the long-term.
Dieses Kooperationsangebot ist sicherlich zu begrüssen, denn in der nun drohenden Rezession, und in den Problemen, die die Wirtschaft derzeit im Königreich hat, wäre alles andere unveranwortlich, und das dieses die Wähler nicht honorieren würden ist auch Cameron klar. Er möchte nicht als Blockerer dastehen, sondern als konstruktiver Gestalter.
Danach widmete er sich dem Afghanistankrieg, und unterstrich, dass seine Partei auch weiterhin diesen unterstützen will, da es das eigene Land schützt.
Let us be clear about why they are there: if we fail in our mission, the Taliban will come back. And if the Taliban come back, the terrorist training camps come back. That would mean more terrorists, more bombs and more slaughter on our streets. That is why we back our troops’ mission in Afghanistan one hundred per cent.
Das klare Bekenntnis war in dieser Frage zu erwarten, genauso wie die nachgeschobene Kritik zum Thema Truppenausrüstung. Vor allem das Thema Gurkhas, nepalesische Soldaten, welche im Auftrag Grossbritannien kämpfen, und welche nach Meinung der Regierung kein Bleiberecht mehr haben sollen anch Austritt aus der Armee, war die Aussage klar:
Let’s give those brave Gurkha soldiers who defended us the right to come and live in our country.
Das Thema hatte immer wieder Aufsehen erregt in der Vergangenheit, da es zu mehreren Protesten seitens der Soldaten kam.
Weiter ging es dann um die Werte die er vertreten würde. Er beschrieb sich als eindeutiger Konservertiver, und grenzte sich dabei durch das Feld Verantwortung von den Liberalen ab:
But freedom can too easily turn into the idea that we all have the right to do whatever we want, regardless of the effect on others. That is libertarian, not Conservative – and it is certainly not me.
Die Nähe zwischen der Liberaldemokrtischen Partei und den Conservatives ist dadurch, dass sie beide ind er Opposition sind relativ hoch derzeit, so das es schwer fällt beide wirklich voneinander abzugrenzen. Dies hat er somit versucht, ob das wirklich so gelungen ist, mag dahingestellt bleiben, denn auch den LibDems wird niemand wirklich vorwerfen wollen, dass diese von grundauf Verantwortungslos seien.
Daraufhin gab er eine kleine Selbstbeschreibung an, um sich den Wählern endgültig einmal vorzustellen. Unter anderem bezeichnete er sich als Unionisten und das er das vereinigte Königreich verteidigen werde.
I am deeply patriotic about this country and believe we have both a remarkable history and an incredible future. I believe in the Union of England, Scotland, Wales and Northern Ireland, and I will never do anything to put it at risk.
Diese Ansicht ist bei Konservativen nicht ungewöhnlich, und könnte in einer Zukunft, wo Schottland weiter nach Selbstständigkeit strebt von enormer Wichtigkeit werden. Der Rest der Selbstbeschreibung war Recht standardmässig, bis auf die kleine Spitze gegen Tony Blair.
Tony Blair used to justify endless short-term initiatives by saying “we live in a 24 hour media world.” But this is a country not a television station. A good government thinks for the long term.
Auch wandte er sich Gordon Brown zu, welcher letzte Woche meinte, das es keine Zeit für Novizen sei, und hielt ihm entgegen, dass es wichtigere Dinge gäbe als Erfahrung:
To do difficult things for the long-term or even to get us through the financial crisis in the short term what matters more than experience is character and judgment, and what you really believe needs to happen to make things right.
Und mit den Angriffen gegen Brown ging es weiter. Er versuchte zu erklären, wie es zu der Finanzkrise gekommen sei, und machte dabei zwei grosse Fehler bei der Regierung Brown aus. Zum einen die falsch durchgeführte Unabhänfigkeit der Bank of England, zum anderen der verfehlten Sparpolitik. Und natürlich hatte er nun einen Plan zur Hand, wie man dort wieder hinauskommen könne, indem er nämlich einfach diese Fehler ausbügeln würde:
First of all, I believe that government’s main economic duty is to ensure sound money and low taxes. Sound money means controlling inflation, keeping spending under control and getting debt down. So we will rein in private borrowing by correcting that big mistake made by Gordon Brown, and restoring the Bank of England’s power to limit debt in the economy.
Es ist ein grosses versprechen, mit diesen beiden Korrekturen Finanzkrisen wie diese zu überstehen, andererseits vergeht er sich hier nicht in den Fehler nur zu kritisieren, sondern bietet wirklich Alternativen an, was bei einer solchen Rede nicht selbstverständlich ist. Den zweiten Punkt, die Sozialsysteme effektiver zu gestalten, ist vor allem bei Konservativen Populär, birgt aber auch immer die Gefahr, das die Effizienzsteigerung auf Kosten der Betroffenen gehen. Dort ist sicher abzuwarten, wie die genauen Ausgestaltungen aussehen sollten, sollte Cameron je Premier werden.
Weiter ging es mit dem Lieblingsthema konservertiver Politiker auf dieser Welt: Steuersenkungen. Er versicherte, dass diese Verantwortungsvoll durchgeführt werden würden, indem er keine neuen Schulden aufnehmen wolle um dieses zu finanzieren, sondern sparen wolle, auch wenn Protest aufbrandet.
I know it’s your money. I know you want some of it back. And I want to give it to you. It’s one of the reasons I’m doing this job. But we will only cut taxes once it’s responsible to do so once we’ve made government live within its means. The test of whether we’re ready for government is not whether we can come up with exciting shadow budgets. It is whether we have the grit and determination to impose discipline on government spending, keep our nerve and say “no” – even in the teeth of hostility and protest. That is the responsible party we are and that is the responsible government I will lead.
Diese Art von Politik, welche Margaret Thatcher durchgeführt hatte, und als dessen Erbe er sich offenbar sieht, dürfte den Wahlkampf, wenn er denn kommt, ziemlich elektrisieren, denn für viele ist diese Art von Politik immer noch ein rotes Tuch, auch wenn er hier versucht Ängste zu nehmen.
Nachdem er über die Firmensteuern hergezogen hat, wie sie doch kleine Unternehmer ruinieren, kündigte er auch ein Infrastrukturprojekt an, welches grosses Aufsehen erregte die letzten Tage, nämlich anstatt den Flughafen Heathrow auszubauen, eine Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zu bauen. Inwieweit das Zukunft haben wird, wird mand ann noch sehen:
I believe the government should play an active part in helping business and industry. So when our economy is overheating in the south east but still needs more investment in the north the right thing to do is not go ahead with a third runway at Heathrow but instead build a new high speed rail network linking Birmingham, Manchester, London, Leeds let’s help rebalance Britain’s economy.
Der andere Punkt hier, dass er sich für einen aktiven und steuernden Staat einsetzt, sind nur wichtige Randpunkte, in denen er sich von den puren Kapitalisten abgrenzen möchte. Den anschliessenden Kommentar, an was er gemessen werden will, enthält zum einen ein klares Bekenntnis zum aktuellen Gesundheitssystem (dem NHS), und ein vages versprechen, wie es typisch ist für einen Konservativen: das streben anch einer besseren Gesellschaft nach alten Werten.
In the end I want to be judged not just on how well we handle crises, but on two things how we improve the public institution in this country I care about most, the NHS and how we fulfil what will be the long-term mission of the next Conservative government: to repair our broken society.
Daraufhin machte er sich über David Milliband her, der den Staat als Retter symbolisiert hatte, und somit die Gesellschaft ansich vernachlässige:
For Labour there is only the state and the individual, nothing in between. No family to rely on, no friend to depend on, no community to call on. No neighbourhood to grow in, no faith to share in, no charities to work in. No-one but the Minister, nowhere but Whitehall, no such thing as society – just them, and their laws, and their rules, and their arrogance. You cannot run our country like this.
Diese Nichtübernahme von Verantwortung und die Verneinung Labours das dieses in der Gesellschaft nötig wäre, käme der Behandlung der Bürger wie Kinder gleich und lieferte sogleich ein paar Beispiele. Um das ganze abzuschliessen fasste er das ganze nocheinmal zusammen:
No, when times are tough, it’s not a bigger state we need: it’s better, more efficient government. But even more than that we need a stronger society. That means trusting people. And sharing responsibility.
Ob das so stimmt, bleibt dahingestellt, aber es ist ein klares Bekenntnis zu weniger Staat, also das was die altkonservativen hören wollen.
Dann sprach er über das Rechtfertigen von Vertrauen, das er seine Europaparlamentsabgeordnete dazu bringen will, einen Code of Conduct zu unterschreiben, und das er bei der Wahl der selbigen im nächsten Jahr für ein Referendum um den Lissabonvertrag kämpfen will, was Labour zwar versprach, aber nicht umsetzte.
[...]there’s one other thing that destroys trust in politics. And that’s parties putting things in their manifesto and then doing the complete opposite. Next year in those European elections we will campaign with all our energy for that referendum on the European constitution that Labour promised but never delivered.
Da die EU in Grossbritannien nicht sehr beliebt ist, kann man nicht damit rechnen, das überhaupt ein Vertrag zu diesem Thema je zu Stande kommt. Man kann es als gut oder schlecht ansehen, aber dese Haltung wäre das Aus für weitere Europäische Reformvorhaben.
Danach widmete er sich ausgiebig dem NHS, und erklärte das er es effektiver und besser machen wolle. Das Thema wäre eines der Wahlkampfthemen Nummer 1, aber letztendlich geht es da um Detailverbesserung und keine Systemfrage. Somit sind es teilweise viel Worte um nichts, die aber jeden Bürger betreffen.
Den entscheidenen Unterschied will er aber nun im Sozialen Gefüge erreichen, was er mit einem drastischen vergleich anstimmte, indem er sein vorgehen mit Thatcher verglich:
If you want to know where the change will be greatest from what has gone before. It is our plan for social reform. The central task I have set myself and this Party is to be as radical in social reform as Margaret Thatcher was in economic reform. That’s how we plan to repair our broken society.
Die gebrochene Gesellschaft beschrieb er dann, und er musste sich bemühen, nicht in das ewig gestrige gerede von heute ist alles schlecht abzudriften. Aber das was er sich erwartet beschrieb er so:
But it’s not just the crime; not even the anti-social behaviour. It’s the angry, harsh culture of incivility that seems to be all around us. When in one generation we seem to have abandoned the habits of all human history that in a civilised society, adults have a proper role – a responsibility – to uphold rules and order in the public realm not just for their own children but for other people’s too.
Höhere Strafen und mehr Geld diese auch umzusetzen sind die klassische Forderung dafür von den Konservativen, und die wiederholt er dann auch. Allerdings lässt er sich dann lang darüber aus, dass es auch Hintergründe dahinter gäbe, was in dieser Form doch bemerkenswert ist.
But let’s recognise, once and for all, that such an approach only deals with the symptoms, picking up the pieces of failure that has gone before. Come with me to Wandsworth prison and meet the inmates. Yes you meet the mugger, the robber and the burglar. But you also meet the boy who can’t read and never could. The teenager hooked on heroin. The young man who never knew the love of a father. The middle aged failure where no-one in the family has known what it’s like to go out and work for two generations or maybe more. Miss the context, miss the cause, miss the background and you’ll never get the true picture of why crime is so high in our country.
Nun blieb ihm noch übrig, nicht als unsozial dazustehen, und so unterstützte er viele Systeme von Labour die etabliert wurden, wie die Gesundheitsbesuche, würde sie aber gern noch ausbauen. Ins Zentrum stellt er die Familien, welche unterstützt werden sollen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Dann greift er die Schulen an, deren System marode sei, und verkündet vollmundig:
The election of a Conservative government will bring – and I mean this almost literally – a declaration of war against those parts of the educational establishment who still cling to the cruelty of the “all must win prizes” philosophy and the dangerous practice of dumbing down.
Er brachte humorvolle Beispiele was er im Schulsystem nicht mehr sehen will, und kümmerte sich dann um das Sozialsystem, als dritte Stufe seiner Agenda für eine bessere Gesellschaft, und seine Ansagen waren klar:
So we will end the something for nothing culture. If you don’t take a reasonable offer of a job, you lose benefits. Go on doing it, you’ll keep losing benefits. Stay on benefits and you’ll have to work for them.
Diese Ankündigungen sind seit Thatcher im Vereinigten Königreich normal, und somit nichts was nicht zu erwarteten gewesen wäre.
Das war seine Agenda, nun gab es noch die warmen Worte an die Partei und die immer währende Erinnerung daran, warum er und seine Partei nun wählbar seien.
Progressive ends; Conservative means. That is a big argument about the future. That is a big change. And it is because we had the courage to change that we are able to make it. We changed because knew we had to make ourselves relevant to the twenty-first century. You didn’t pick more women candidates to try and look good you did it so we wouldn’t lock out talent and fail to come up with the policies that modern families need.
Das mit den Frauen dürfte Labour freuen, denn sie werden es immer wieder angreifen können, dass die Tories es versäumen ihren Frauenanteil in den Parlamenten zu erhöhen. Auch wollte er sich dann nicht als Weltverbesserer verstehen, dennoch gab es, da das Wort von Obamas Change zu oft drin vorkam in dieser Rede einige Kommentare noch dazu:
We are a united party, united in spirit and united in purpose. And we know that our task is to take people with us. Rebuilding our battered economy. Renewing our bureaucratised NHS. Repairing our broken society. That is our plan for change. But in these difficult times we promise no new dawns, no overnight transformations. I’m a man with a plan, not a miracle cure.
Mit einem abschliessenden Appell an den Zusammenhalt schloss er dann die Rede:
I believe we now have the opportunity, and more than that the responsibility, to bring our country together. Together in the face of this financial crisis. Together in determination that we will come through it. Together in the hope, the belief that better times will lie ahead.
Es war eine gute Rede, welche viele humorvolle Einschübe abseits des Redetextes enthielt. Im Vergleich zu Brown letzte Woche hat er natürlich den Vorteil des Neuen und recht unbekannten, aber das muss dieser Tage nicht wirklich ein Vorteil sein.
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