Wie gefährdet ist der Dollar?
January 11th, 2009 von
maphry
In den letzten Tagen gab es wie immer die reichlichen Rückblicke aufs vergangene Jahr und auch die Prognosen überschlugen sich immer wieder gern mit Horror- und Schockmeldungen. Das neue Jahr werden ein Alptraum, und das sehe man vor allem an der Wirtschaft, dort wo die Finanzkrise der letzten eineinhalb Jahre nun richtig durchschlagen werde. Immer wieder tauchte dabei auch die mögliche Achillesferse einer zukünftigen Weltwirtschaftsentwicklung auf, ein schwacher Dollar.
Der Dollar war im laufe des ersten halben Jahres im Jahr 2008 reichlich abgestürzt und das nicht ohne Grund. Das enorm hohe Aussenhandelsdefizit, der Schuldenberg und die niedrigen Zinsen der USA haben dazu beigetragen, dass die einstig unangefochtene Weltwährung nun immer mehr unter Druck gerät. Sie hat Konkurrenz bekommen, denn neben dem japanischen Yen und den alten europäischen Währungen Sterling und Franken, hat sich mittlerweile ein weiterer Stern gen Himmel erhoben: Der Euro. Von vielen zu Beginn noch belächelt, hat er sich mittlerweile als echte Alternative gemausert und sich dabei überraschend stabil erwiesen. Bis dann die Finanzkrise begann kritisch zu werden, und siehe da, der Dollar schien zurückzukehren. Er schaffte sich wieder gegenüber vielen Währungen der Welt aufzuwerten, und viele verlockten schon mit einem Comeback dank der Krise. Die Frage die dabei jedoch bleibt ist, ist dieses von Dauer?
Das mag bezweifelt werden, und ich bin da sicher nicht der einzige der da berechtigte Kritik anmeldet (siehe auch Verlorene Generation). Die Gründe für das Wiedererstarken sind wohl eher darin zu suchen, das die Finanzmarktakteure derzeit nach Sicherheit suchen, und da sind Gold und Dollar natürlich ganz vorne mit dabei. Allerdings darf man doch bezweifeln, dass dieses auf dauer anhalten mag, denn auch diese Finanzkrise geht zu ende, und die USA werden kaum weniger Schulden aufweisen können, nachdem sie die vielen grossen Rettungspakete aufgelegt haben. Sie müssten in einen radikalen Sparkurs übergehen, aber selbst ein Barack Obama kann dieses wohl kaum umsetzen, wenn er denn in 4 Jahren eine zweite Amtszeit anstrebt. So droht dieser Wiederaufschwung als Strohfeuer zu verpuffen, und der dann drohende Absturz wäre nicht nur für die USA fatal.
Denn der wichtigste Wirtschaftsakteur würde in seinem trudeln nicht alleine da stehen, sondern viele andere Staaten mitreissen. All diejenigen, die in ihren Währungsreserven auf Dollar gesetzt hätten, würden unter Druck geraten, und es entstünde eine Spirale der Dollarabwertungen, wogegen die derzeitige Wirtschaftskrise ein kleiner Fisch wäre. Sicher, an der Wirtschaftspolitik der USA muss sich einiges ändern, um diese Gefahr eines Dollar-Craches zu minimieren, aber dazu müsste der Politik, allen voran nun Barack Obama ersteinmal den Mut aufbringen. Reduzierung der Schulden, Korrektur des Aussenhandelsdefizites und das Risiko seine Wirtschagft endgültig gegen die Wand zu fahren indem man die Zinsen erhöht eingehen. Das ist allerdings mit nichten zu erwarten. Und so bleibt die Gerahr zumindest real. Die Frage ist, wann es soweit wäre, und da sollte man doch einigen Berufspessimisten den Wind aus den Segeln nehmen. Die USA werden sicher schneller wie der Rest der Welt aus der Wirtschaftskrise kommen, und somit sich erst einmal wieder Luft verschaffen können, wie lange das aber dann anhält ist schwer zu sagen und ob man bis dahin die Kehrtwende geschafft hat, bzw. genug Staaten bereit sind sich am heissen Eisen der Dollarspekulation zu beteiligen bleibt abzuwarten.
Viel hängt auch von der Europäischen gemeinschaftswährung Euro ab, wie diese sich entwickeln kann ist immer mit vielen Fragezeichen verbunden. Grund ist das Ungleichgewicht der Wirtschaftsentwicklungen der einzelnen Länder und die Heterogenität der Wirschaftspolitiken der Einzelstaaten. Aber schlussendlich hat der Euro einen entscheidnen Vorteil gegenüber dem Dollar: Jeder Beitritt eines neuen Mitgliedes ist ein Vertrauensbeweis eines Staates, und sollten tatsächlich eines Tages die grossen Aussenseiter der derzeitigen Währungsunion Grossbritannien, Schweden und Dänemark sich bereiterklären mit Einzusteigen, dann, ja auch nur dann bestände auf lange Sicht die Möglichkeit, das der Euro dem Dollar wirklich ebenbürtig in seinem Stellenwert seien, oder ihn gar überholen können wird. Da spricht allerdings derzeit nichts für, trotz der grossen Probleme des britischen Pfundes derzeit zum Beispiel. Somit bleibt auch hier vieles im argen, und so wäre eine Spekulation darauf, ob der Euro zum Dollar bis zum Ende diesen jahres steigen oder fallen wird eine pure Spekulation. Meiner Meinung wird er leicht zunehmen, aber zum Crash des Dollars wird es 2009 denke ich einmal nicht kommen. Aber die Zukunft hält ja immer wieder Überraschungen bereit, und mal schauen was dieses Jahr in dieser Hinsicht bringt.
Hintergrundartikel
- Der Euro in der Bewährungsprobe (Benedikt Fehr @ Frankfurter Allgemeine Zeitung)
- Pressure on ECB to cut rates again as euro tumbles against dollar (The Times)
Geschrieben in Political Theories | Tags: Barack Obama, Dänemark, Dollar, EU, Euro, Schweden, UK, USA, Währung
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