A world that stands as one – Obamas Rede in Berlin
July 24th, 2008 von
maphry
Die Rede von Obama an der Siegessäule in Berlin ist vorbei, und alle werden nun meinen sehr viel schlauer zu sein. Ob das nun wirklich so ist mag bezweifelt werden, denn dafür war die Rede doch zu schwammig, wenn auch wie man es bei ihm gewohnt ist sehr ordentlich strukturiert. Wem das Redemanuskript interessiert kann es sich unter CNN ansehen. Ansonsten das Video:
Aber kommen wir zur Analyse. Begonnen hat er damit sich selbst vorzustellen, die bekannte Geschichte seiner Mutter und seines Vaters, wie man es schon auf seiner Vorstellung für Amerika auf der DNC 2004 gesehen hat. Des weiteren setzt er im folgenden auf zahlreiche Anspielungen auf seine Vorgänger welche in Berlin geredet haben, John F. Kennedy und Ronald Ragon. Die Anlehnung an letzterer erfolgte in dem Symbol der neuen Mauern, welche er nach dem kleinen Exkurs in die Geschichte des Kalten Krieges anbrachte:
“That is why the greatest danger of all is to allow new walls to divide us from one another. The walls between old allies on either side of the Atlantic cannot stand. The walls between the countries with the most and those with the least cannot stand. The walls between races and tribes; natives and immigrants; Christian and Muslim and Jew cannot stand. These now are the walls we must tear down.”
Nun folgte der grosse Abschnitt, welcher diesen Moment betonte, und dabei darauf anspielte, dass Europa und Amerika wieder besser zusammenarbeiten müssen, und betonte dabei die Kernpunkte der derzeitigen Herausforderungen:
- Terrorismus
- Drogen
- Nuklearfreie Welt
- selbstbestimmtes Europa
- freier Handel
- Mittlerer Osten
- Klimawandel
- Solidarität für zurückhängende Staaten
“…we can stand with the vast majority of Muslims who reject the extremism that leads to hate instead of hope.”
Dieser Satz wird in Europa als selbstverständlich hingenommen werden, in Amerika ist dieses Bild nach dem 11. September dieses nun einmal ganz und gar nicht mehr der Fall. Dadurch das er den Begriff Hoffnung für sich reserviert hat, bekommt er auch eine etwas eigenartige Bedeutung für den Wahlkampf.
“But my country and yours have a stake in seeing that NATO’s first mission beyond Europe’s borders is a success. For the people of Afghanistan, and for our shared security, the work must be done. America cannot do this alone. The Afghan people need our troops and your troops; our support and your support to defeat the Taliban and al Qaeda, to develop their economy, and to help them rebuild their nation. We have too much at stake to turn back now.”
Aussagen zu Afghanistan (hier eingeleitet durch die Auswirkungen die die Unordnung in Afghanistan auch auf uns ha, nämlich der Drogenhandel) waren heiss erwartet worden, und leider gibt es hier viel Interpretationsspielraum. Will er das Deutschland mehr tut (wie zum Beispiel Soldaten im Süden des Landes), oder ist er hier mit der aktuellen Rolle zu Frieden, wo die Wiederaufbauhilfe noch betont wird. Beides ist möglich, wobei ersteres wohl der Fall seien wird, aber einen Rückzug aus Afghanistan von Deutscher Seite hält er offenbar nicht für akzeptabel.
“This is the moment when we must renew the goal of a world without nuclear weapons. [...] It is time to secure all loose nuclear materials; to stop the spread of nuclear weapons; and to reduce the arsenals from another era. This is the moment to begin the work of seeking the peace of a world without nuclear weapons.”
Dies wird wohl der meist diskutierte Abschnitt werden in den USA. Denn bisher gilt das Aufgeben der Nuklearen Option als nicht verhandelbar. Zwar relativiert er das ganze etwas dadurch, das er die Waffen nur gesichert haben will und das Arsenal reduziert, aber allein das Ziel die Atomwaffen vielleicht eines Tages ganz abzuschaffen (wo die USA ja gerade der grösste Besitzer dieser sind), kommt etwas überraschend. Es wird auch von den Republikanern wohl genutzt werden, um Obama als jemanden darzustellen, der das Land in Gefahr bringt, indem er plant dieses zu schwächen. Auch wenn es so eventuell gar nicht gemeint war, aber damit macht er sich höchstens Freunde in Europa, nicht in den USA.
“…every nation in Europe must have the chance to choose its own tomorrow free from the shadows of yesterday. In this century, we need a strong European Union that deepens the security and prosperity of this continent, while extending a hand abroad.”
Die Befürwortung eines Starken Europas und der EU, aber auch Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes jedes seiner Mitglieder. Es klingt sicher positiver wie bei Bush, aber so etwas könnte auch schnell zu einer Sonntagsredeninterpretation führen, denn über Knackpunkte inwieweit Europa z.B. im Militärischen unabhängig von den USA aggieren darf und soll bleibt offen.
“But we will not be able to sustain this growth if it favors the few, and not the many.”
Ein Satz für die Massen, der den Arbeitern, welche wohl die Swingstates entscheiden werden, wie Öl den Rachen runter gehen wird.
“My country must stand with yours and with Europe in sending a direct message to Iran that it must abandon its nuclear ambitions. We must support the Lebanese who have marched and bled for democracy, and the Israelis and Palestinians who seek a secure and lasting peace.”
Damit will er wohl die weltgewandheit zeigen und das er Ahnung von der Region hat. Der Hinweis auf Iran und Israel ist zu erwarten, Libanon wird immer gerne unterdrückt, obwohl die Probleme dort immer wieder enorm sind, wie in den letzten Monaten gesehen.
“Let us resolve that we will not leave our children a world where the oceans rise and famine spreads and terrible storms devastate our lands. Let us resolve that all nations – including my own – will act with the same seriousness of purpose as has your nation, and reduce the carbon we send into our atmosphere.”
Das wird man gerne hören in Europa, aber es heisst wohl nicht ja zu Kyoto, sondern erst das Ja für das Nachfolgeabkommen im nächsten Jahr, wenn es in Kopenhagen um die Regeln ab 2012 geht. Das er die USA an den Klimaweltmeister Deutschland messen will (ja, so wird man international nun einmal wahrgenommen) ist eine hohe Hürde, denn zumindest von den Worten die von Merkel und Co kommen wird das für die USA schwer umsetzbar sein.
“…we must give hope to those left behind in a globalized world. [...] And in that show of solidarity, those pilots won more than a military victory. They won hearts and minds; love and loyalty and trust – not just from the people in this city, but from all those who heard the story of what they did here.
Dieser Rückgriff auf die Geschichte, und somit die Ankündigung, das das Verhalten der USA in ihren Kriegsgebieten nicht mehr nur als Besatzer wahrgenommen werden soll, sondern auch als Befreier und Freund, wird viel Arbeit bedeuten, falls er die Wahl gewinnen sollte. Es ist ein weiteres klares Absetzen von der Bush-Administration, die durch zahlreiche Fehler und arrogantes Auftreten in den entsprechenden Staaten viele Probleme hat.
Er betont dann noch einmal das er sich an die Versprechungen die in der Vergangenheit gemacht wurden halten möchte und beendet diesen Abschnitt mit
“People of Berlin – people of the world – this is our moment. This is our time.”
Das was im Skript als der grosse Höhepunkt wirkte, war doch eher ruhig vorgetragen worden, so das es quasi unterging. Dort ist Obama dem Redenschreiber, der ihm die Worte des Tages je nach Stimmung wohl offen halten wollte, nicht gefolgt, was wohl auch gut war.
“I know my country has not perfected itself. At times, we’ve struggled to keep the promise of liberty and equality for all of our people. We’ve made our share of mistakes, and there are times when our actions around the world have not lived up to our best intentions.”
Im Ausland schickt es sich bekanntlich nicht die eigene Regierung zu kritisieren, und genau das machte diese Rede so schwierig. Dieses Eingeständnis das sein Land auch so seine Probleme hat ist somit auch eher für die Europäer gedacht, welche sich bestätigt fühlen wollen,d as sie es doch besser gewusst haben in vielen Bereichen. In den USA wird das als Augenwischerei betrachtet werden und nicht weiter beachtung finden, da es nun einmal nur schöne Worte ohne Substanz sind. So endet dann auch der Rest der rede mit noch vielen solchen Worten.
Die gesamte Rede war sicherlich nicht die historische wie sie viele erwartet bzw. erhofft hatten, aber das durfte sie auch nicht sein, wenn er seinen Wahlsieg im November nicht gefährden wollte. Er hat sich nicht hinreissen lassen einen deutschen Satz zu versuchen, und das war auch richtig so. Es war eine solide Rede, ohne konkrete Festlegungen, und viele grosse Ziele die hier angesprochen worden sind müssen noch mit Inhalt gefüllt werden. Aber dazu kann man dann im neuen Jahr kommen, wenn er wirklich McCain schlagen sollte.
Andere Bewertungen:
- Barack Obama in Berlin: Ein Mann reißt die Massen mit [Readers Edition]
- Obamas Geschichtsstunde [Neues und Bekanntes]
- Obama Speaks to Germany on European Ties [New York Times]
- This is the Moment when… Senator Obama called Germany to join the War [Freunde der offenen Gesellschaft]
- “Dies sind die Mauern, die wir nun einreißen müssen” [PatJe]
Geschrieben in Political Theories | Tags: Afghanistan, Atomwaffen, Barack Obama, Berlin, DNC, Drogen, EU, George W. Bush, Israel, John F. Kennedy, John McCain, Klima, Kopenhagen, Kyoto, Libanon, Rede, Ronald Ragon, Terrorismus, USA
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