Vor etwa einem Jahr gab es Aufruhe, denn nachdem man sich Bundesweit endlich darauf geeinigt hatte, dass man die Nichtraucher besser schützen möchte, fand man heraus, dass dies gar nicht wirklich in den Bereich der Bundesregierung fällt, sondern nach der Föderalismusreform längst Aufgabe der einzelnen Bundesländer sei, zumindest wenn es um die Gaststätten geht. Und so gaben sich diese wirklich Mühe Gesetze auf den Weg zu bringen, jeder sein eigenes, jedes mit mal mehr mal weniger Ausnahmen. Die entscheidende Ausnahme in vielen Bundesländern ist es, dass man es zulässt, dass Kneipen, welche einen Abgetrennten Raum zur Verfügung stellen können, diesen als Raucherraum nutzen dürfen. Diejenigen, die dieses aus welchen Gründen auch immer nicht können, haben halt Pech gehabt.
Dem widersprach heute das Bundesverfassungsgericht, und stellte die so genannte Einraumkneipen unter Schutz. Wenn man schon Ausnahmen mache, dann muss es einen fairen Ausgleich für die kleineren geben, und so haben die betroffenen Länder nun bis Ende nächsten jahres Zeit ihre Hausaufgaben zu amchen und neue Gesetze auf dem Weg zu bringen.
Das Urteil war absehbar, denn die Idee einiger Länder denen, die am geringsten unter diesem Verbot zu leiden haben, auch noch mehr Kundschaft in die Arme zu trieben war mehr als lächerlich. Die Konsequenz kann nur eindeutig sein, wie es in vielen anderen Europäischen Ländern wie UK, Irland oder Italien vorgemacht wurde: Generelles Rauchverbot in allen Kneipen, egal wie gross, egal wie sehr sie auf diesen Teil der Kundschaft angewiesen sind (das eigentlich keine andere Möglichkeit besteht schreibt auch “Ich blog dich!”).
Sowieso ist es nahezu peinlich, dass die anderen Länder es recht ordentlich hinbekommen, nur in Deutschland mal wieder alle ihre Kreativität nicht in neue Angebote, sondern darin investieren, wie man die Gesetze am geschicktesten umgehen kann. Vor allem springen einem dort die Raucherclubs ins Auge, welche alles so belassen wie bisher, nur das der Wirt als Zugabe auch noch die Adressen seiner Kunden bekommt, um fleissig Werbung herumschicken zu können. Dieses ist offenbar ein Trick, der nur zum Ziel hat den Geist der bisherigen Gesetze zu unterlaufen, und somit gehört auch dagegen eingeschritten. DIe Frage ist nur, ob man es in Deutschland noch wirklich alleine gebacken bekommt, oder ob dazu wiedermal die EU (diesesmal über eine Arbeitsplatzrichtlinie) eingreifen muss, damit es endlich funktioniert. Traurig, dass man hierzulande so unflexibel ist.
Manchmal treibt übertriebener Nationalismus schon seltsame Blüten, und manchmal sind diese nicht ganz so harmlos wie sie zuerst erscheinen. Ein aktuelles Beispiel findet derzeit in Südostasien statt, wo sich Japan und Südkorea mit allen diplomatischen Mitteln, inklusive indirekter Kriegsdrohungen um ein paar nahezu unbewohnte Felsen streiten.
Die “Liancourt Rocks” sind spätestens seit dem zweiten Weltkrieg umstritten und ihre Zugehörigkeit ist dank uneindeutiger Vertragssituation bis heute nicht vollkommen geklärt, doch werden sie zumeist Südkorea zugerechnet, welches auch in den letzten Jahren dort die Verwaltung ausgeübt hatte. Als vor zwei Wochen das japanische Bildungsministerium eine nichtbindende Empfehlung herausgab, diese Inseln als japanisches Territorium in der Schule zu lehren, reagierte Seoul sofort und rief seinen Botschafter aus Tokio ab. Auch kam es zu heftigen Protesten in der südkoreanischen Hauptstadt, wo japanische Flaggen verbrannt wurden. Zu weiterer Aufruhe kam es nun, als das “US Board of Geographic Names“, eine amerikanische Bundesbehörde, den Status der insel von südkoreanisch auf unbekannt setzte. Das dieses dem südkoreanischen Ministerpräsidenten nicht gefiel machte der zugleich mit einem Besuch auf den umstrittenen Inseln deutlich, und da Präsident Bush nächste Woche nach Seoul muss, wird der wohl einiges zu erklären haben.
Zugegeben, das Verhältnis zwischen Korea und Japan ist historisch sehr stark belastet, nicht zuletzt aufgrund Japans kolonialer Vergangenheit dort. Auch das es bei Gebietsstreitigkeiten neben der Symbolkraft auch um wirtschaftliche Interessen geht, in diesem Falle Fischereirechte, ist anerkannt. Dennoch ist dieses Verhalten wie Kinder im Sandkasten auf politischer Ebene nicht ganz so ungefährlich wie es zuerst scheint, spätestens dann nicht, wenn das Militär ins Spiel gebracht wird, um Abschreckung zu erreichen und die Provokationen auf beiden Seiten immer mehr die Oberhand gewinnen. Das sich da nun auch noch die USA einmischen müssen, auch wenn das vielleicht gar nicht wirklich beabsichtigt war, ist mehr als unnötig. Das wird den Konflikt nur verschärfen.
Die einzig wirklich zuständige Instanz die darüber entscheiden sollte ist der Internationale Gerichtshof (IGH), welcher für solche Streitigkeiten zuständig ist. Das Südkorea sich bisher verweigert hat den Fall dort klären zu lassen ist da sicherlich kein guter Weg. Aber es bleibt ja noch Zeit für beide Seiten sich zu besinnen.
Normalerweise vermeide ich es auf Internethypes aufzuspringen, aber in diesem Fall drücke ich mal ein Auge zu. Professor Randy Pausch hätte wohl niemand wahrgenommen, wenn er nicht im letzten September eine Vorlesung an der Carnegie Mellon University im Rahmen der Reihe “Last lecture” gehalten hätte. Das besondere in seinem Fall war, dass er kurz vorher erfahren hatte, das er Krebs hatte, so dass es tatsächlich eine seiner letzten Vorlesungen war und in dieser zum Thema “Really Achieving Your Childhood Dreams” in einer weise vortrug, welche viele Menschen seitdem beschäftigt bzw. inspiriert hat. Für die die es noch nicht gesehen haben das Video:
Als ich es im letzten Jahr durch Zufall aufgeschnappt hatte, hat es mich doch einiges zum Nachdenken angeregt, was den Umgang mit Träumen und Zielen angeht. Dem typischen amerikanischen Meidenhype der diesem folgte tat dem keinen Abbruch, da er in dieser Vorlesung viele Aspekte zu dem Thema anschnitt, welche man sich zumindest mal zu Gemüte führen sollte, auch wenn es manchmal klingt als wolle er jemanden belehren wie man sein Leben zu führen habe. Und so gelang es ihm trotz seiner Krankheit in seinen letzten Monaten noch viele Menschen mitzunehmen und zum Nachdenken anzuregen.
Letzten Freitag nun starb Randy Pausch an den Folgen seiner Krebserkrankung.
Was lange währt, wird letztendlich gut. So heisst es zumindest meist, aber ob das in diesem Falle wirklich der Fall ist, mag man zum derzeitigen Zeitpunkt zumindest gern bezweifeln. In Genf Treffen sich die Vertreter der WTO-Mitgliedsstaaten und verhandeln über die Zukunft des Welthandels. Knackpunkte sind dabei wie üblich die Subventionen und Zölle in den Industriestaaten, und die abgeschotteten Märkte der Schwellen- und Entwicklungsländer.
Das der Konflikt nicht neu ist zeigt sich allein daran, dass diese Verhandlungsrunde nun schon seit 2001 andauert, und nun quasi versucht wird ein Ende zu erzwingen, obwohl sich alle Seiten seit Beginn des Prozesses nicht wirklich bewegt haben. Das man über die einzelnen Positionen unterschiedlichster Meinung haben kann ist verständlich (ein Fall z.B. bei Gegenwind), aber es ist dennoch eine der letzten ernsthaften Möglichkeiten um auf diesem Gebiet die aufstrebenden Nationen Brasilien, China und Indien, und die G8-Staaten unter einen Hut zu bekommen. Und so verhält sich auch der WTO-Chef Pascal Lamy, welcher die Gesprächsrunde nur noch auf ein Minimum der Teilnehmer zuletzt reduzierte, um zu Kompromissen zu kommen, die dann alle unwichtigeren Staaten einfach schlucken sollen. So sind die Gespräche zwar bis jetzt nicht gescheitert, die Verhandlungen konnten somit dennoch nicht wie geplant heute beendet werden sondern wurde vorläufig bis Mittwoch verlängert.
Die Entscheidungen sind schwierig, keine Frage, aber dennoch von Nöten. Was zuerst einmal ins Auge viel war allein die Uneinigkeit der EU-Staaten, welche vom britischen EU-Wirtschaftskommissar Peter Mandelson vertreten werden, welcher aber vor allem vom französischen Präsident Sarkozy immer wieder heftigst kritisiert wurde, da ihm dessen Zugeständnisse in den Verhandlungen zu weit gingen. Sicherlich, eine 80% Reduzierung der Agrarsubventionsgrenzen sind heftig, aber ehrlich gesagt längst überflüssig. Zu sehr wird die Landwirtschaft der EU übers zugeschossene Geld am Leben erhalten, wo die Sicherung der Qualität der produzierten und eingeführten Produkte über Gesetze und Kontrollen viel mehr Raum einnehmen sollte.
Das Land was sich nun noch am meisten sperrt ist Indien, da es trotz einer rasant wachsenden Wirtschaft immer noch einen enorm hohen Satz von armen Menschen beherbergt. Ob das nun zu einem scheitern der Verhandlungen führt, wird man die nächsten Tage sehen. Aber selbst wenn es zu einem positiven Abschluss kommen sollte, ist vollkommen offen, was aus diesem wird. Denn der wichtigste Verhandlungsteilnehmer, die USA, hat Ende des Jahres Wahlen, und ob der Nachfolger von Präsident Bush dessen Zugeständnisse und Zusagen akzeptieren und umsetzen wird, wird man wohl erst bewerten können, wenn dieser ein oder zwei Jahre im Amt ist. So kann man gespannt sein, ob es noch zu einer Einigung kommt, aber wirklich schlauer werden wir dann nicht sein, was die Zukunft des Welthandels anbetrifft.
Es war zu befürchten, aber es hatte niemand wirklich für möglich gehalten: Labour verliert die By-Election in Glasgow East. Es war der 25. sicherste Wahlkreis für die Partei (bei 356 insgesamt) um den Premier Gordon Brown, bei der letzten Wahl hatte man einen Vorsprung um 13.507 Stimmen im Jahr 2005, nun verlor man diesen um 365. Das alles sind aus europäischer Festlands-Sicht nicht viel Aussagende Zahlen, da man hier das Mehrheitswahlrecht nicht gewohnt ist, aber es entspricht einem Rückfall von über 60% auf knapp über 40% innerhalb von 3 Jahren, und das in einem Wahlkreis wo Labour in wie kaum einem anderen fest verwurzelt schien.
Um so Niederschmetternder ist die Niederlage, denn ausgerechnet der Schottisch-Nationalistische Partei, deren Vorsitzender Alex Salmond die Wahl zu einem Entscheid für Schottland oder England hochstilisiert hatte und reichlich Klinken in der zweitwichtigsten schottischen Stadt geputzt hatte, gelang es mit ihrem Kandidaten John Mason diesen Sitz zu erobern. Nahezu reflexartig kamen von der Opposition unter David Cameron die Forderung eine kurzfristige Wahl einzuberufen, und auch in der eigenen Partei hat Brown einen immer schwereren Stand. Viele halten es nur noch für eine Frage der Zeit, wann er dort herausgefordert wird, die grosse Frage ist und bleibt alleine von wem. Denn nach Brown ist die Partei nahezu führerlos, nachdem Blair erst vor einem Jahr zurückgetreten ist und lange Zeit jegliche Konkurrenz schon im Keim erstickt hatte. Zwar fällt immer wieder der Name des Aussenministers David Miliband, aber zu wenige trauen ihm wirklich zu eine Palastrevolution anzuzetteln.
So wird es wohl weitergehen mit dem Gesichtsverlust der Britischen Regierung, welche auch international immer weiter ihr ansehen ramponiert, was sich zum Beispiel an dem Versteckspiel von Barak Obama zeigt, welcher jeglichen grossen Auftritt mit dem Premier meidet und lieber mit seinem Amtsvorgänger Toni Blair vor die Kamera tritt. Inwieweit der Wahlsieg nun den Separatisten in Schottland hilft bleibt fraglich, aber es wird ihnen sicher Auftrieb geben im Hinblick auf ein mögliches Unabhängigkeitsreferendum in nicht allzu ferner Zukunft.
Die Rede von Obama an der Siegessäule in Berlin ist vorbei, und alle werden nun meinen sehr viel schlauer zu sein. Ob das nun wirklich so ist mag bezweifelt werden, denn dafür war die Rede doch zu schwammig, wenn auch wie man es bei ihm gewohnt ist sehr ordentlich strukturiert. Wem das Redemanuskript interessiert kann es sich unter CNN ansehen. Ansonsten das Video:
Aber kommen wir zur Analyse. Begonnen hat er damit sich selbst vorzustellen, die bekannte Geschichte seiner Mutter und seines Vaters, wie man es schon auf seiner Vorstellung für Amerika auf der DNC 2004 gesehen hat. Des weiteren setzt er im folgenden auf zahlreiche Anspielungen auf seine Vorgänger welche in Berlin geredet haben, John F. Kennedy und Ronald Ragon. Die Anlehnung an letzterer erfolgte in dem Symbol der neuen Mauern, welche er nach dem kleinen Exkurs in die Geschichte des Kalten Krieges anbrachte:
“That is why the greatest danger of all is to allow new walls to divide us from one another. The walls between old allies on either side of the Atlantic cannot stand. The walls between the countries with the most and those with the least cannot stand. The walls between races and tribes; natives and immigrants; Christian and Muslim and Jew cannot stand. These now are the walls we must tear down.”
Nun folgte der grosse Abschnitt, welcher diesen Moment betonte, und dabei darauf anspielte, dass Europa und Amerika wieder besser zusammenarbeiten müssen, und betonte dabei die Kernpunkte der derzeitigen Herausforderungen:
Terrorismus
“…we can stand with the vast majority of Muslims who reject the extremism that leads to hate instead of hope.”
Dieser Satz wird in Europa als selbstverständlich hingenommen werden, in Amerika ist dieses Bild nach dem 11. September dieses nun einmal ganz und gar nicht mehr der Fall. Dadurch das er den Begriff Hoffnung für sich reserviert hat, bekommt er auch eine etwas eigenartige Bedeutung für den Wahlkampf.
Drogen
“But my country and yours have a stake in seeing that NATO’s first mission beyond Europe’s borders is a success. For the people of Afghanistan, and for our shared security, the work must be done. America cannot do this alone. The Afghan people need our troops and your troops; our support and your support to defeat the Taliban and al Qaeda, to develop their economy, and to help them rebuild their nation. We have too much at stake to turn back now.”
Aussagen zu Afghanistan (hier eingeleitet durch die Auswirkungen die die Unordnung in Afghanistan auch auf uns ha, nämlich der Drogenhandel) waren heiss erwartet worden, und leider gibt es hier viel Interpretationsspielraum. Will er das Deutschland mehr tut (wie zum Beispiel Soldaten im Süden des Landes), oder ist er hier mit der aktuellen Rolle zu Frieden, wo die Wiederaufbauhilfe noch betont wird. Beides ist möglich, wobei ersteres wohl der Fall seien wird, aber einen Rückzug aus Afghanistan von Deutscher Seite hält er offenbar nicht für akzeptabel.
Nuklearfreie Welt
“This is the moment when we must renew the goal of a world without nuclear weapons. [...] It is time to secure all loose nuclear materials; to stop the spread of nuclear weapons; and to reduce the arsenals from another era. This is the moment to begin the work of seeking the peace of a world without nuclear weapons.”
Dies wird wohl der meist diskutierte Abschnitt werden in den USA. Denn bisher gilt das Aufgeben der Nuklearen Option als nicht verhandelbar. Zwar relativiert er das ganze etwas dadurch, das er die Waffen nur gesichert haben will und das Arsenal reduziert, aber allein das Ziel die Atomwaffen vielleicht eines Tages ganz abzuschaffen (wo die USA ja gerade der grösste Besitzer dieser sind), kommt etwas überraschend. Es wird auch von den Republikanern wohl genutzt werden, um Obama als jemanden darzustellen, der das Land in Gefahr bringt, indem er plant dieses zu schwächen. Auch wenn es so eventuell gar nicht gemeint war, aber damit macht er sich höchstens Freunde in Europa, nicht in den USA.
selbstbestimmtes Europa
“…every nation in Europe must have the chance to choose its own tomorrow free from the shadows of yesterday. In this century, we need a strong European Union that deepens the security and prosperity of this continent, while extending a hand abroad.”
Die Befürwortung eines Starken Europas und der EU, aber auch Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes jedes seiner Mitglieder. Es klingt sicher positiver wie bei Bush, aber so etwas könnte auch schnell zu einer Sonntagsredeninterpretation führen, denn über Knackpunkte inwieweit Europa z.B. im Militärischen unabhängig von den USA aggieren darf und soll bleibt offen.
freier Handel
“But we will not be able to sustain this growth if it favors the few, and not the many.”
Ein Satz für die Massen, der den Arbeitern, welche wohl die Swingstates entscheiden werden, wie Öl den Rachen runter gehen wird.
Mittlerer Osten
“My country must stand with yours and with Europe in sending a direct message to Iran that it must abandon its nuclear ambitions. We must support the Lebanese who have marched and bled for democracy, and the Israelis and Palestinians who seek a secure and lasting peace.”
Damit will er wohl die weltgewandheit zeigen und das er Ahnung von der Region hat. Der Hinweis auf Iran und Israel ist zu erwarten, Libanon wird immer gerne unterdrückt, obwohl die Probleme dort immer wieder enorm sind, wie in den letzten Monaten gesehen.
Klimawandel
“Let us resolve that we will not leave our children a world where the oceans rise and famine spreads and terrible storms devastate our lands. Let us resolve that all nations – including my own – will act with the same seriousness of purpose as has your nation, and reduce the carbon we send into our atmosphere.”
Das wird man gerne hören in Europa, aber es heisst wohl nicht ja zu Kyoto, sondern erst das Ja für das Nachfolgeabkommen im nächsten Jahr, wenn es in Kopenhagen um die Regeln ab 2012 geht. Das er die USA an den Klimaweltmeister Deutschland messen will (ja, so wird man international nun einmal wahrgenommen) ist eine hohe Hürde, denn zumindest von den Worten die von Merkel und Co kommen wird das für die USA schwer umsetzbar sein.
Solidarität für zurückhängende Staaten
“…we must give hope to those left behind in a globalized world. [...] And in that show of solidarity, those pilots won more than a military victory. They won hearts and minds; love and loyalty and trust – not just from the people in this city, but from all those who heard the story of what they did here.
Dieser Rückgriff auf die Geschichte, und somit die Ankündigung, das das Verhalten der USA in ihren Kriegsgebieten nicht mehr nur als Besatzer wahrgenommen werden soll, sondern auch als Befreier und Freund, wird viel Arbeit bedeuten, falls er die Wahl gewinnen sollte. Es ist ein weiteres klares Absetzen von der Bush-Administration, die durch zahlreiche Fehler und arrogantes Auftreten in den entsprechenden Staaten viele Probleme hat.
Er betont dann noch einmal das er sich an die Versprechungen die in der Vergangenheit gemacht wurden halten möchte und beendet diesen Abschnitt mit
“People of Berlin – people of the world – this is our moment. This is our time.”
Das was im Skript als der grosse Höhepunkt wirkte, war doch eher ruhig vorgetragen worden, so das es quasi unterging. Dort ist Obama dem Redenschreiber, der ihm die Worte des Tages je nach Stimmung wohl offen halten wollte, nicht gefolgt, was wohl auch gut war.
“I know my country has not perfected itself. At times, we’ve struggled to keep the promise of liberty and equality for all of our people. We’ve made our share of mistakes, and there are times when our actions around the world have not lived up to our best intentions.”
Im Ausland schickt es sich bekanntlich nicht die eigene Regierung zu kritisieren, und genau das machte diese Rede so schwierig. Dieses Eingeständnis das sein Land auch so seine Probleme hat ist somit auch eher für die Europäer gedacht, welche sich bestätigt fühlen wollen,d as sie es doch besser gewusst haben in vielen Bereichen. In den USA wird das als Augenwischerei betrachtet werden und nicht weiter beachtung finden, da es nun einmal nur schöne Worte ohne Substanz sind. So endet dann auch der Rest der rede mit noch vielen solchen Worten.
Die gesamte Rede war sicherlich nicht die historische wie sie viele erwartet bzw. erhofft hatten, aber das durfte sie auch nicht sein, wenn er seinen Wahlsieg im November nicht gefährden wollte. Er hat sich nicht hinreissen lassen einen deutschen Satz zu versuchen, und das war auch richtig so. Es war eine solide Rede, ohne konkrete Festlegungen, und viele grosse Ziele die hier angesprochen worden sind müssen noch mit Inhalt gefüllt werden. Aber dazu kann man dann im neuen Jahr kommen, wenn er wirklich McCain schlagen sollte.
Nach viel Aufregung in den letzten Wochen über das kommen des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama nach Berlin und dessen komplette Tour drum herum, ist es nun endlich soweit. DIe Show kann beginnen.
In den letzten Tagen standen vor allem der mittlere Osten und die aktuellen Kriegsschauplätze der USA auf dem Terminplan. Angefangen hat das ganze am Samstag und Sonntag in Afghanistan, wo er in einer Kongress-Delegation zusammen mit den Senatoren Chuck Hagel und Jack Reed unter anderem Präsident Karzei traf. Ziel dieser Reise und auch die des Tages drauf in den Irak war es sein Aussenpolitisches Profil zu schärfen und die geringe Reputation im Bereich Aussen- und Sicherheitspolitik zu verwischen. Das dieses ganz gut gelang lag nicht zuletzt am irakischen Ministerpräsident Nouri al-Maliki zurückzuführen, welcher ihm den gefallen Tat seine Abzugspläne allzu deutlich für gut zu befinden (siehe dazu Transatlantikblog). In Jordanien und vor allem im Israel ging es dann um Symbolpolitik. Es sollte dargestellt werden, das wie seine Vorgänger auch schon, Israel uneingeschränkte Solidarität auch unter einem möglichen Präsidenten Barak Obama geniessen wird und das er weiterhin eine Möglichkeit sieht den Nahen Osten zu befrieden (auch wenn er wohl wie all seine Vorgänger ebenfalls daran scheitern dürfte).
Nun also geht es nach Europa, besser gesagt zu den drei wichtigsten Vertretern dort: Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Nachdem es vor allem in Deutschland Aufregung darüber gab wo er denn seine einzige grosse Rede in Europa halten würde, wurde nun die Siegessäule in Berlin festgelegt. Die Neider waren in den anderen Europäischen Schwergewichten sogleich zur Stelle, denn vor allem in UK hatte man sich erhofft, dass die traditionelle gute Verbindung der beiden Staaten dazu führen wird, das auch dort der wichtigste Auftritt stattfindet.
Nun aber wird es in Berlin hoch hergehen (siehe auch US-Wahlkampf-Blog). Dort wird Obama zunächst Merkel und Steinmeier treffen und das Thema Afghanistan wird eine grosse Rolle spielen. Denn die USA erwarten mehr von Deutschland, und im Gegensatz zu Bush oder vielleicht auch McCain wird Obama das auch durchsetzen. Anschliessend wird der wohl heikelste Teil der ganzen Reise folgen, die schon angesprochene Rede an der Siegessäule. Die Massen sind nicht berechenbar, und es kann zuviel schief gehen, als dass es ein leichter Auftritt seien wird, auch wenn ihm die Zustimmung und der Jubel sicher seien wird, denn in Europa ist Obama beliebt.
In Frankreich morgen wird nach bisherigen Informationen wohl nur Sarkozy getroffen und der grosse Abschluss erfolgt dann in London, wo er zum einen Tony Blair treffen wird, der in den Bereichen Naher Osten und Klima immer noch aktiv ist auf der politischen Bühne. Danach wird noch der krieselnde Premier Gordon Brown und dessen oppositionellen Counterpart David Cameron getroffen um dann seine Reise zu beenden und sich wieder in den Heimischen Hexenkessel zu begeben.
Diese ungewöhnliche Reise ist nötig geworden, weil die Amerikaner dem demokratischen Kandidaten es nicht zutrauen das Land in der Aussenpolitik richtig zu führen. Allerdings sollte man sie auch nicht überbewerten, denn eine gelungene Reise wird ihm wenig bringen, ein kleiner Patzer könnte aber erhebliche Folgen haben. Als nächstes steht dann die Vizepräsidentenkür an, um dann auf den Parteitagen die Nominierungen endlich perfekt zu haben. Es ist noch ein langer weg bis zum 4. November.